Sport/Fußball

Der Reformator holt das Triple

Luis Enrique hat nach Meisterschaft und Cup nun auch die Champions League gewonnen (zum Spielbericht). Angesichts des Triples vergisst man gerne, dass der Trainer im Jänner vor dem Rauswurf gestanden ist. Und dass er mit Lionel Messi gestritten hat. Letzteres wird in Barcelona mit Gotteslästerung gleichgesetzt.

Für Luis Enrique ist Berlin kein Neuland. Obwohl im Olympiastadion abgesehen von den Auftritten des Nationalteams nur selten internationale Spiele stattfinden. Zu selten schaffte es Hertha BSC in den Europacup. Einmal spielte der Klub in der Champions League, da war gleich Barcelona der Gegner. Luis Enrique schoss das 1:1 für die Katalanen, aber kaum jemand hatte es gesehen. Es war ein Nebelspiel.

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Das war vor 16 Jahren, Luis Enrique spielte von 1996 bis 2004 bei Barcelona. Es waren nicht die größten Jahre des Klubs, mit wenigen Titeln und keinem Europacupfinale. Zum Schluss war er gar Kapitän. Das hat ihm jetzt geholten, als er im ersten Jahr als Barça-Trainer der Buhmann war. Die Fans in der Kurve standen zu ihm.

Enrique rotierte so wild, dass viele keine Strategie erkannte. Die Spieler wirkten zerrissen zwischen dem traditionellem Kombinationsfußball und dem Stil des Trainers, der auch Abwarten und Kontern erlaubte.

Eklat

Gleich im ersten Training des Jahres kam es zu einem Zwischenfall. Lionel Messi wollte in einem Trainingsspiel einen Freistoß nach Foul an ihm. Trainer und Schiedsrichter Luis Enrique winkte weiter. Verteidiger Mathieu sagte später über den Zwischenfall: "Leo brannten die Sicherungen durch." Das nächste Spiel saß Messi zunächst auf der Bank, Barça verlor in San Sebastian. Das erste Training danach schwänzte Messi.

Die Folgen: Sportdirektor Andoni Zubizarreta, Fürsprecher des Trainers, und dessen Assistent, Klublegende Carles Puyol, verloren ihre Jobs, Neuwahlen für die Klubspitze wurden für Saisonende ausgerufen , und das Präsidium dachte darüber nach, Ex-Trainer Frank Rijkaard zurückzuholen.

Schlichtung

Aber Xavi, Iniesta und Busquets vermittelten zwischen Trainer und Star. Die Folge: Barcelona spielte groß auf. Enrique beendete die Rotationen, stellte Suarez für Messi ins Angriffszentrum und ließ diesem alle Freiheiten.

"Die größte Herausforderung für Enrique war, die Spieler an einen Tisch zu bringen und alle glücklich zu machen", sagte Ex-Abwehrspieler Rafael Marquez, zweimaliger Champions-League-Sieger.

Inzwischen wird das ruppige Auftreten des Trainers in Pressekonferenzen geschätzt. "Es hat dafür gesorgt, dass Barça den Neutralen nicht mehr mit der vermeintlichen Perfektion auf die Nerven geht", urteilte El País.

Das Triple mit Barça hatte zuletzt Pep Guardiola 2009 gewonnen, ebenfalls in seiner ersten Saison als Trainer. Der 45-jährige Enrique modifizierte das von Johan Cruyff geprägte "Barcelonismo" und machte dadurch Barcelona wieder zu dem, was es unter Guardiola war: zu einer Fußball-Großmacht.

Der jetzige Bayern-Coach hatte bei seinem Amtsantritt 2008 dafür gesorgt, das Enrique Coach von Barça B wurde. Dort sammelte der Nordspanier Erfahrungen. Nach einem missglückten Engagement beim AS Rom, wo er sich einen aussichtslosen Machtkampf mit Francesco Totti lieferte, deutete er bei Celta sein Können an.

Wenn er den Klub trotz seines Vertrags bis 2016 verlässt, muss ein anderer versuchen aus dem langen Schatten eines Triple-Gewinners zu treten. Und der heißt dann nicht mehr Guardiola.

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