Sport/Fußball

Mario Frick: "Ich gönne es Marcel Koller von Herzen"

Wer mehr als zwei Jahrzehnte im Profifußball verbracht hat, der erlebt so viel, dass er einiges auch wieder vergisst. Eine Episode im Herbst 2006 freilich ist Mario Frick, liechtensteinischer Rekordspieler (117 Länderspiele) und Rekordtorschütze (16), so gut in Erinnerung geblieben, dass er selbst heute noch darüber schmunzeln muss.

Frick hatte damals den Führungstreffer bei der knappen 1:2-Niederlage gegen Österreich erzielt, doch die Szene des Spiels war eine andere. Als nämlich Roger Spry, der neue Konditionsguru des ÖFB aus England, die Österreicher wie Hampelmänner aufwärmen ließ. „So was habe ich vorher und nachher nie wieder gesehen“, lacht Frick.

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Roger Spry macht den österreichischen Teamspielern noch immer Beine. Und Mario Frick ist für das Fürstentum noch immer am Ball. Am Freitag gibt der gelernte Stürmer, der heuer 41 wird, in der EM-Qualifikation gegen Österreich den Abwehrchef. Der KURIER sprach mit dem besten liechtensteinischen Fußballer über ...

. . . Fußballzwerge: „Man gewöhnt sich daran, dass die anderen in uns einen Fußballzwerg sehen. Damit wächst du als liechtensteinischer Fußballer auf. Ich finde die Bezeichnung trotzdem despektierlich und respektlos.“

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. . . die EM-Qualifikation: „Nach der Auslosung haben alle gesagt, dass wir nur ein Punktelieferant wären. Jetzt haben wir plötzlich schon vier Punkte und mehr als das Soll erfüllt. Aber eines ist auch klar: Wenn wir erfolgreich sein wollen, dann müssen wir über uns hinaus wachsen und der Gegner muss es zu leicht nehmen. Wenn uns ein Gegner permanent unter Druck setzt und uns hinten hinein drängt, dann haben wir kaum eine Chance.“

... Liechtensteiner Fortschritte: „In den 90ern waren wir fast alles nur Amateure, die in den dritten und vierten Ligen gespielt haben. Da hat es in der Nationalmannschaft wenig Spaß gemacht. Wir waren völlig überfordert und sind kaum einmal in die gegnerische Hälfte gekommen.“
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... seinen Bezug zu Österreich:„Ich habe mit Marcel Koller ein Jahr bei den Grasshoppers gespielt und gehe jetzt noch oft mit ihm golfen. Ich gönne es ihm von Herzen, vor allem, weil er es am Anfang in Österreich nicht leicht hatte. Er hat definitiv eine neue Mentalität in die Mannschaft reingebracht. Aus meiner Zeit in Siena kenne ich den Alexander Manninger gut, wir fahren heute noch zusammen auf Urlaub. “

... das Los eines Liechtensteiners in der Serie A: „Als ich 2000 zu Hellas Verona kam, habe ich zu hören bekommen: ’Liechtensteiner können nicht Fußball spielen.’ Wie sie bemerkt haben, dass ich mehr drauf habe, als nur geradeaus zu laufen, haben mich die Medien gelobt.“

... denn Stellenwert des Fußballs im Fürstentum:„In Liechtenstein wächst du im goldenen Käfig auf, das ist nicht gerade hilfreich für den Profisport. Der Fußball ist bei uns als Leistungssport nicht anerkannt. Die Leute leben hier im Wohlstand, die Eltern wollen lieber, dass ihre Kinder eine Ausbildung machen, als dass sie Fußballer werden.“

... das Karriereende: „Ich will im Retourspiel die Karriere beenden. Das Happelstadion ist dafür eine würdige Bühne. Wahrscheinlich haben die Österreicher dann eh auch etwas zu feiern. Ein großes Ziel habe ich noch: ich will noch ein Tor schießen. Nächste Woche spielen wir gegen San Marino, da sind wir ausnahmsweise einmal Favorit und der Teamchef kann mich als Stürmer aufstellen.“