Leben/Reise

Reisen mit dem Hund

Tapetenwechsel. Wer es sich leisten kann, macht die Urlaubszeit zur Reisezeit. Und steht vor der Entscheidung: Rundfahrt durch die Stadt oder Ausflug aufs Land? Strand und Sand oder Berge und Bäume? "Ein Badeurlaub am Meer mit Hund ist möglich, ideal ist aber ein Wanderurlaub", sagt KURIER-Tiercoach Dagmar Schratter: "Der Hund ist ein Familienmitglied, bei der Gestaltung der Ferien müssen daher auch seine Bedürfnisse berücksichtigt werden." Die Direktorin des Tiergarten Schönbrunn erklärt, wie die freien Tage zum Wohle von Zwei- und Vierbeinern gestaltet werden können.

Reiselust

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Junge, gesunde Hunde sind unternehmungslustig. Sie gehen lieber mit dem Rudel auf Reisen, als alleine daheim zu bleiben oder in einer noch so gut geführten Tierpension einzuchecken. Im Gegensatz zu Katzen, die eher an der Umgebung hängen, halten sie gerne mit dem Halter mit. Der muss schon bei der Herbergssuche seinen vierbeinigen Begleiter mitbedenken."Erkundigen Sie sich rechtzeitig, ob Hunde im Quartier erlaubt sind, und was das tatsächlich heißt", sagt Schratter. Darf der Hund nur allein im Hotelzimmer bleiben? Oder kann er auch mit in den Speisesaal? Ist der Garten eingezäunt? Gibt es organisierte Aktivitäten für Hund und Halter? Dogsitter? Sind Haustierenämlich nicht wirklich willkommen, bleibt die Gemütlichkeit auf der Strecke.

Auch ein Campingurlaub mit Hund muss gut vorbereitet sein. Es reicht nicht, dass Haustiere in der Anlage geduldet sind. Vierbeiner brauchen genügend Freilaufmöglichkeiten vor Ort, eventuell einen Hundestrand mit Schatten in der Nähe, vor allem aber eine entsprechende Unterkunft. "Ein Wohnmobil ist besser als ein Zelt. Das ist wie ein Hotelzimmer und angenehm für die feinfühligen Ohren des Hundes", sagt der KURIER-Tiercoach. Hinter Stoffwänden kann sich kein Hund entspannen. Ist er Tag und Nacht neuen Eindrücken ausgesetzt, kommen Stress und Aggressionen auf. Schlechte Voraussetzung für erholsame Tage.

Hochsommerliche Temperaturen belasten

Ebenso belastend wirken hochsommerliche Temperaturen. Ein reiner Badeurlaub ist nichts für Vierbeiner, ihr Kreislauf hält täglich acht Stunden Hitze nicht aus. Hundebesitzer müssen Pritscheln, Schwimmen, Sonneliegen trotzdem nicht von vornherein verwerfen. "Es gibt auch unter Hunden absolute Baderatten; so wie es absolut wasserscheue Tiere gibt", sagt die Expertin. Ein halber Tag am Wasser macht vielen Vierbeinern Spaß, sofern sie die Möglichkeit zum Rückzug an ein kühleres Plätzchen haben. Oder zur nassen Abkühlung – im Salzwasser mit anschließender Süßwasserdusche zur Fell- und Hautreinigung. Ein Spaziergang am Ufer sorgt immer für Abwechslung. Doch Vorsicht: "Zu viel Sonne kann bei Hunden zu einem Sonnenstich führen oder Sonnenbrand verursachen", warnt der KURIER-Tiercoach. Ausreichend Trinkwasser gehört unbedingt in die Strandtasche, Babysonnencreme schützt empfindliche Nasen.

"Alle Hunde lieben die Bewegung. Sie sind prinzipiell gute Spaziergänger", hält Schratter den Wanderurlaub für die beste Feriengestaltung. Fürs Klettern allerdings sind Hunde nicht geschaffen. Das weite Gehen kann Tiere, die jünger sind als ein Jahr, überanstrengen, Vierbeiner laufen meist ein Vielfaches des Weges. Snacks für Zwischendurch liefern Energie, saftige Äpfel und Marillen z. B. erfrischen dann sogar Obstverweigerer. Wasser im Marschgepäck ist ein Muss. Mit Rücksicht auf andere Wandersleute – das heißt: Hund bei Begegnung an die Leine – steht einem Gipfelsturm nichts im Weg.

"Wenn Heimtierhalter ihren Hund nicht mit auf Urlaub nehmen können, übergeben sie ihn im Idealfall einem Freund, einem Verwandten oder einem Arbeitskollegen, der mit dem Vierbeiner vertraut ist", sagt der Tiercoach. Alternativ bleibt die professionelle Urlaubsvertretung. Gute Tierpensionen bieten geschultes Personal, saubere Räume, Auslauf, Verträge ohne Kleingedrucktes und sieermöglichen einen Probe­besuch.

Hunde sind meist routinierte Mitfahrer

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Für viele Urlaubsplaner liegt das Ferne nah, sie nehmen weite Anreisen zur Erfüllung ihrer Träume in Kauf. Geht ein Vierbeiner mit auf große Fahrt, müssen Heimtierhalter das Transportmittel auf Hundetauglichkeit überprüfen.

KURIER-Tiercoach Dagmar Schratter rät von Bahn, Schiff und Flugzeug ab und erklärt, warum das Auto am besten geeignet ist.

"Eine lange Zugfahrt von bis zu zehn Stunden ist für Hunde unzumutbar", sagt die Expertin. Der Vierbeiner hat keine Möglichkeit, sich zu lösen. Auf kurzen Strecken fällt das Problem weg. "Die Bahn ist dann okay."

Schiffsreisen hingegen bereiten dem Heimtier in jedem Fall Stress. Kreuzfahrten sind daher grundsätzlich tabu. Doch auch die Überfahrt auf einer Fähre ist heikel: "Hunde werden ganz leicht seekrank."

Flugreisen zahlen sich nur bei einem monatelangen Aufenthalt im fernen Ausland aus. Ein Schoßhündchen bis fünf Kilo darf pro Maschine in der Passagierkabine mitfliegen. Schwerere Tier müssen in der Box im Frachtraum einchecken – eine enorme Belastung für den Vierbeiner, den am Zielort auch noch Klima- und Zeitumstellung durcheinanderbringen.

"Die Reise mit Auto ist am einfachsten", sagt der Tiercoach. Die meisten Hunde sind routinierte Mitfahrer, siekennen den Wagen und die Sicherung mit Box, Netz, Gitter oder Gurt. Diese Gewohnheiten minimieren die Aufregungen. Zudem lässt die Autofahrt individuelle Pausen (alle zwei bis drei Stunden) zum Pfotenvertreten und Trinken zu; Futter sollte nicht angeboten werden, ein voller Magen belastet. Stauzeiten und Mittagshitze meiden – so steht einer guten Fahrt nichts im Weg.

Liste: Was ins Gepäck gehört

Verpflegung Hunde sind ernährungsmäßig Gewohnheitstiere. Das übliche Futter beugt auch Durchfallerkrankungen vor. Der eigene Fressnapf erleichtert dem Vierbeiner den Umzug auf Zeit. Eine Wasserflasche für unterwegs muss jedenfalls mit. Die eigene Schmusedecke ist vertraut. 

Reiseapotheke Sie enthält Mullbinden, Verband in Rollen, elastische Binden, sterile Tupfer, Watte, gewebeverstärktes Klebeband, Schere, Pinzette, desinfizierende Lösungen, sterile Elektrolytlösungen, antibiotische Augentropfen, Tabletten gegen Durchfall sowie individuelle Medikamente.

Ausweis Bei Reisen ins Ausland sind ein implantierter Chip sowie ein gültiger EU-Heimtierausweis – ausgestellt vom Tierarzt – Pflicht. Der Vermerk "tollwutgeimpft" darf nicht fehlen. Reisebüros, Konsulate und Botschaften geben Auskunft über die Einreisebestimmungen für Haustiere.