Politik/Inland

Was Mädeln und Burschen an Bünden reizt

FPÖ-Nationalratspräsidentin Anneliese Kitzmüller mag als Prototyp eines "Mädels" gelten, mit ihrer recht braven Optik, dem immer um den Hals geschlungenen Tuch.

Gudrun (Name von der Redaktion geändert) passt da weniger ins Bild. "Ich laufe teilweise mit blauen und pinken Haaren herum, mich würde man optisch vermutlich gar nicht so in dieses Eck stellen", sagt sie; und auch die vielen Piercings im Ohr passen kaum zum Bild des Dirndl-tragenden Mädels, das man landläufig im Kopf hat.

"Wenn es von der Ideologie passt ..."

Wie das geht? Ganz gut, offenbar: Denn Optik und Ideologie folgen schon länger nicht mehr den gängigen Stereotypen. Gut beobachten lässt sich das in der neu-rechten Szene, die beinahe Hipster-durchsetzt wirkt.

Die Gründe, warum Gudrun bei einer Mädelschaft ist, sind hingegen ziemlich traditionelle: Ihre Eltern sind bei Verbindungen, und ja, eine gewisse politische Überzeugung ist natürlich auch nicht zu leugnen. "Eine Mädelschaft ist ein Bund, in dem Gemeinschaftsgefühl im Vordergrund steht. Wir treffen uns, quatschen, politisieren, wir feiern in Kneipen."

Die Familie und die politische Sozialisierung sei meist der Grund, warum junge Menschen Verbindungen beitreten, sagt auch Bernhard Weidinger von Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands. "Auf der Straße wird kaum wer angesprochen." Ansprechend seien zudem billige Unterkünfte und soziale Kontakte: In der Wiener Albia zahlt man etwa 70 Euro Mitgliedsbeitrag, die Zimmer kommen auf etwa 250 Euro.

Dazu kommt, dass Burschen- und Mädelschaften – ähnlich wie katholische Verbindungen wie der CV – Netzwerke sind, über die sich Karriere machen lässt. "Natürlich gebe es "keine Verpflichtung, einander zu helfen", sagt Albia-Chef Udo Guggenbichler, aber dass Mitgliedschaften nützlich sind, ist unbestritten – gut beobachtbar ist das ja an der FPÖ.

Zulauf verzeichnen Burschenschaften darum aber nicht, Mädelschaften hingegen schon. In den vergangenen Jahren gab es sogar Neugründungen. Woran das liegt, ist auch für Experten schwer zu sagen: Dass Männer durch den "Schmiss" leichter stigmatisiert sind, Frauen ihre Zugehörigkeit aber nicht angesehen wird, ist zumindest eine Erklärung.

Ein Äquivalent für die blutige und umstrittene Mensur – den Fechtkampf, der für den Aufstieg nötig ist –, gibt es bei den Frauen keines. Dort wird man durch den Studienerfolg und die Prüfungen von der Fäh zum Mädel und zur Hohen Dame. Nur Kneipen gehören zum Repertoire, wie bei den Männern, sagt Gudrun: "Ja, trinken gehört manchmal auch dazu."