Politik/Inland

Warum die Kosten öffentlicher Bauprojekte häufig explodieren

Noch ist es aufgrund der andauernden Arbeiten zu früh für ein abschließendes Urteil. Doch bereits jetzt steht fest, dass sich der Umbau des Parlaments in eine lange Reihe öffentlicher Groß-Bauprojekte eingliedert, deren ursprüngliche Kostenschätzungen sich als nicht haltbar erwiesen (siehe unten).

Aktuell müssen bereits 20 Millionen Euro eingespart werden, um den im Parlamentssanierungsgesetz festgeschriebenen Rahmen von 352,2 Millionen Euro nicht zu überschreiten.

Aber woran liegt es, dass gerade öffentliche Projekte so häufig finanziell redimensioniert werden müssen?

"Vom Bauen keine Ahnung"

Dafür gibt es dutzende Gründe, sagt Christian Kühn, Studiendekan der Fakultät für Architektur an der TU Wien. Einer der wichtigsten sei jedoch, "dass zu viele Menschen an entscheidenden Stellen sitzen, die vom Bauen keine Ahnung haben". Das führe etwa dazu, dass oft möglichst große Baulose ausgeschrieben würden, in der Annahme, das würde die Kosten senken.

Das Gegenteil sei jedoch der Fall: Weil es nur wenige Firmen gebe, die etwa die gesamten Bodenverlegearbeiten für ein Großprojekt stemmen können, werde durch diese Art der Ausschreibung ein Oligopol konstruiert. Was naturgemäß zu steigenden Preisen führt.

Beim Neubau des Klinikums Klagenfurt hätten die Verantwortlichen hingegen vorgezeigt, wie man es besser macht: Es wurden mehrere kleinere Baulose ausgeschrieben, das habe zu einem entsprechenden Mehr an Bewerbern geführt und die Preise gedrückt.

Politische Einflussnahme

Rainer Altmann, Immobilienökonom und gerichtlicher Sachverständiger für Projektentwicklung, ortet ebenfalls "Unerfahrenheit bei der Abwicklung von Großprojekten" seitens der Bauherren als Ursache, vermutet aber zusätzlich auch politische Einflussnahmen auf die Ausschreibungen und in weiterer Linie auch die Vergaben.

Oft würden nicht "die europaweit Besten" ihres Gebiets genommen, sondern Firmen "mit einem gewissen Bezug zu dem lokalen Umfeld des Bauvorhabens", um die Wertschöpfung in der Region zu halten. Das sei verständlich, dafür komme aber eben "der Steuerzahler umso mehr zum Handkuss", sagt Altmann.

Ein weiterer "ganz klassischer" Grund für deutliche Mehrkosten bei öffentlichen Großprojekten ist laut TU-Professor Kühn freilich auch ein ganz simpler: nämlich die Angabe niedrigerer Kosten im Vorfeld, um das jeweilige Projekt "politisch überhaupt durchzubringen".

Mehrkosten durch Hochkonjunktur

Beim Parlament kommt laut Kühn - neben unliebsamen Überraschungen hinsichtlich der vorhandenen Bausubstanz - aber auch noch ein ganz anderer Grund zu tragen: Die momentane Hochkonjunktur im Bauwesen führe naturgemäß zu höheren Preisen. Und die können sich schnell einmal anständig summieren, folglich sind die aktuellen 20 Millionen Mehrkosten für ihn auch "keine Überraschung".

Würde man heute ein Projekt schätzen, das in zwei Jahren durchgeführt werden soll, würden die Kosten um 20 Prozent schwanken. "Wer sagt, ich weiß, was das kosten wird, der lügt", erklärt Kühn.

Die gute Nachricht, wenn man denn so will, kommt zum Schluss: Die ganze Thematik ist laut Altmann "sicher kein spezifisch österreichisches Problem".

 

Teure Großprojekte

  • Krankenhaus Nord

Eigentlich sollten in dem Großprojekt des Wiener Krankenstaltenverbunds bereits seit zwei Jahren Patienten behandelt werden. Momentan hofft man auf den Vollbetrieb im Herbst 2019. Die Kosten sind von ursprünglich 825 Millionen auf mittlerweile 1,34 Milliarden Euro angestiegen. Der Rechnungshof bemängelt die Projektsteuerung, seit März läuft eine Untersuchungskommission des Wiener Gemeinderates.

Der Terminal "Check-in 3" - wie er offiziell heißt - ging 2012 mit vier Jahren Verspätung in Betrieb. Planung, Vergabe, Kostenrahmen - von Anfang bis Ende wurde beim Skylink gepfuscht, wie der Rechnungshof festhielt. Am Ende standen Kosten von 850 Millionen Euro zu Buche - mehr als doppelt so viel als die ursprünglich veranschlagten 400 Millionen.

  • Stadthallenbad

Eine weitere Posse war die 2010 begonnene Sanierung des Stadthallenbads. Im Fall des denkmalgeschützten Bades hatten mangelnde tiefergehende Kontrollen der Bausubstanz - freilich kombiniert mit desaströser Planung und Umsetzung - zu einem Rattenschwanz an Problemen geführt. Nach einem Baustopp und mehreren Gerichtsverfahren hielt zwar der Kostenrahmen von rund 17 Millionen Euro, auf die Wiedereröffnung musste jedoch anstatt geplanter eineinhalb vier Jahre gewartet werden.