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In 200 Städten marschierte Frankreichs Jugend gegen ein gelockertes Arbeitsrechts © Bild: APA/AFP/FREDERICK FLORIN
Frankreich
09.04.2016

Jugend marschiert gegen Regierungskurs

Der Aufstand der Linken gegen Arbeitsrechts-Reform der französischen SP-Regierung hält an.

Die Schlacht zwischen der betont Unternehmer-freundlichen französischen SP-Regierung und dem schwer enttäuschten Kern ihres linken Fußvolks steht auf der Kippe – und damit die letzte Hoffnung des amtierenden Staatschefs François Hollande auf eine auch nur annähernd glaubwürdige Kandidatur bei der Präsidenten in nächsten Jahr.

Demos in 200 Städten

Am Samstag gab es in 200 Städten Aufmärsche gegen die geplante Lockerung des Arbeitsrechts. Die Regierung verspricht sich von der Reform eine Zunahme der fixen Anstellungen in der Privatwirtschaft, die Protestbewegung befürchtet im Gegenteil noch mehr Kündigungen.

Am Ende der Demos in Paris und Rennes kam es zu heftigen Zusammenstößen zwischen vermummten Jugendlichen und der Polizei. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein, neun Personen wurden festgenommen.

Innerhalb von sechs Wochen war das bereits der zehnte landesweite Aktionstag, zu dem Gewerkschaften gemeinsam mit linken Schüler- und Studentenorganisationen aufgerufen hatten. Und wieder zeigten sich vielfach parteilose und oft spontan zusammengefundene Gruppen von jüngeren Demonstranten als treibende Kraft.

Auf ihren Tatendrang stützt sich auch die Besetzung und Umwandlung öffentlicher Plätze in permanente, Tag und Nacht anhaltende Diskussions- und Protestlager. Eine Bewegung, die vor über einer Woche auf der Pariser Place de la Republique unter dem Namen "La Nuit debout" (Die Nacht steht auf) ihren Ausgang nahm und inzwischen nicht nur die größeren, sondern auch etliche kleinere Provinzstädte erfasst hat.

Aufbruchsstimmung

Die Debatten bei diesen Zusammenkünften wirken oft verworren und die Wortmeldungen zu einer Vielzahl von gesellschaftlichen Missständen (Jobkrise, Obdachlosigkeit, Flüchtlingsunterbringung, Betreuung von Alzheimerkranken, Lehrermangel an Schulen, Steuerflucht und Politikerprivilegien) manchmal naiv und abgedroschen. Aber genau weil sich praktisch jeder frei äußern kann, und die Teilnehmer ohne übergeordnete Autoritäten (Promis und Parteipolitiker sind unerwünscht) Erfahrungen austauschen, herrscht Aufbruchsstimmung, die von einem Teil der Öffentlichkeit mit Sympathie verfolgt wird. Verstärkt sich diese Bewegung, könnte sie in die Entstehung einer neuen linken Partei münden und die SP um Hollande ihrer letzten Zukunftshoffnungen berauben.

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