Politik/Ausland

Ewald Stadlers großer Auftritt in russischem Propagandafilm

Ein neues Propaganda-Webportal soll die Freundschaft zwischen Russland und der Ukraine stärken: Bei Ukraina.ru handelt um sich um ein Projekt von "Rossija Segodnja" ("Russland heute"), jenes staatlichen russischen Medienkonzerns, der für die Kommunikation russischer Sichtweisen im Ausland zuständig ist.

Das Portal solle ein "Spiegel der russisch-ukrainischen Beziehungen" sein und solle die Freundschaft der beiden Völker festigen. Ein Vollbetrieb ist für Mitte Juni angekündigt. Mit einem eigens produzierten ersten Kurzfilm, der weitestgehend bekannte Positionen des Kreml zur Ukraine reproduziert, unterstreicht Ukraina.ru eine propagandistische Ausrichtung.

Der 24-Minuten lange Film, der nach einer Erstausstrahlung im russischen Staatssender Rossija 24 seit dem Wochenende auch auf dem Internetportal, abgerufenen werden kann, ist aber gerade auch aus österreichischer Sicht interessant: Der österreichische EU-Parlamentarier Ewald Stadler ist der Hauptgesprächspartner des Films. Bereits im März hatte er als Wahlbeobachter beim umstrittenen Krim-Referendum agiert und Sichtweisen des Kremls unterstützt. Derzeit kämpft er mit seiner Partei "Die Reformkonservativen" um einen Wiedereinzug in das EU-Parlament.

Janukowitsch-Vertraute

Die inhaltliche Verantwortung für die neue Internetseite und auch den Kurzfilm trägt die Kiewer Journalistin Aljona Beresowskaja, die in der Vergangenheit über Viktor Janukowitsch berichtet und gleichzeitig als seine Vertraute gegolten hatte.

Stadler ist nicht das einzige österreichische Element: Beresowskaja erzählt ihre Vorgeschichte des Kiewer Maidan 2013/2014, die aus ihrer Sicht in Österreich-Ungarn beginnt. Eine besondere Rolle nimmt dabei das Interniertenlager in Graz-Thalerhof ein. Aufgrund katastrophaler hygienischer Bedingungen starben in diesem Lager, das in Österreich lange Zeit vergessen war, zwischen 1914 und 1917 knapp 1.800 sogenannten "Ruthenen". Diese Untertanen des Kaisers aus der heutigen Westukraine waren zuvor der "Russophilie" verdächtigt worden.

Beresowskajas Schilderung klingt drastischer: Thalerhof und ein Lager in Theresienstadt seien die allerschlimmsten von Dutzenden Konzentrationslagern auf dem Territorium der Monarchie gewesen, in denen ermordet worden sei und 120.000 Russen furchtbare Verletzungen erlitten hätten. Die Regisseurin klagt eine "unmenschliche und zynische Nationalitätenpolitik Österreich-Ungarns" an, in der "unbedeutende Zirkel einer ukrainefreundlichen Jugend und die dazugehörige Intelligenzija" unterstützt und finanziert worden seien: "Von Kindesbeinen an wurden sie einer Gehirnwäsche unterzogen."

Es folgen schwere Vorwürfe gegen jene Politiker des 20. Jahrhunderts, die wie Lenin und andere Bolschewiken Beiträge zur Ukrainisierung des späteren ukrainischen Staates geliefert hätten. Nach Szenen, in denen ein direkter Zusammenhang zwischen ukrainischen Kollaborateuren des Dritten Reichs und dem "Rechten Sektor" des Jahres 2014 hergestellt wird, kommt schließlich EU-Parlamentarier Ewald Stadler zu Wort - ausführlich und mehrmals.

Stadlers deutscher Originalton ist großteils unhörbar, seine Repliken, in denen er zunächst über westliche Pläne in Bezug auf Russland spricht, sind russisch synchronisiert. "Eine der grundlegenden Ideen des Westens ist es, Russland in mindestens drei Teile zu zerlegen", sagt der EU-Parlamentarier. Mit den neuen NATO-Mitgliedschaften im ehemaligen Ostblock sowie einer geplanten Aufnahme von Georgien und der Ukraine wollten die militärischen Strukturen des Westens, so Stadler sinngemäß, Russland umzingeln.

Stadler: "Wie vor 1. WK"

Die aktuelle Situation, sagt der Politiker, sei ähnlich wie vor Beginn des Ersten Weltkrieges. Allerdings spielten nunmehr die USA, die eine globale Hegemonie anstrebe, die Hauptrolle: "Nur große Staaten wie Russland und China stehen Amerika dabei im Weg."

Wie vor ihm andere europäischen Politiker vom rechten und linken Rand des politischen Spektrums übt Stadler im Film Kritik an der ukrainischen Swoboda-Partei, die er als "faschistisch" bezeichnet: "Es sei ein Skandal, dass die EU mit diesen Menschen Verträge abschließt."

"EU hält Versprechen nicht ein"

In seiner letzten Wortmeldung aus dem Film warnt der österreichischer Politiker schließlich die ukrainische Bevölkerung, sich auf Versprechungen von USA, EU und Weltwährungsfonds nicht zu verlassen: "Diese Versprechungen werden nicht eingehalten, die EU schafft es auch nicht, die Krise in Griechenland zu überwinden."

Keine Zweifel an der Botschaft, die sichtlich an russischsprachige Ukrainer im Osten und Süden des Landes gerichtet ist, lässt Regisseurin Beresowskaja in der Schlussszene des Films: Sie tritt gemeinsam mit "Grünen Männchen" (Pro-russischen Paramilitärs, Anm.) im Kriegshafen Sewastopol auf der Krim auf - stilgerecht als "Grüne Frau" und ebenso im grünen Tarnanzug.

Auch wenn die Mächtigen in Kiew und der Westen die Ereignisse auf der Krim und im Osten der Ukraine, sagt sie, als russische Bedrohung sähen und russische Ukrainer als Eroberer aus Russland bezeichnet hätten. Man wolle und werde - so Beresowskaja - in keinem nationalistischen Staat leben: "Wir Russen werden unseren Glauben, unsere Sprache und unsere große Heimat nicht verraten." Dies sei in der polnischen Rzeczpospolita des 17. Jahrhunderts, in den österreich-ungarischen Konzentrationslagern zu Beginn des 20. Jahrhundert so gewesen und dies gelte auch derzeit.