Politik/Ausland

Teenager spurlos verschwunden

Seit Donnerstag sind sie verschwunden: zwei 16-jährige und ein 19-jähriger Schüler aus dem Westjordanland. Israelische Sicherheitskräfte fahndeten auch am Sonntag im besetzten Gebiet nach den Teenagern und ihren Entführern. Hebron und Umgebung wurden abgeriegelt. Hausdurchsuchungen und mehr als 80 Festnahmen vor allem von Aktivisten der islamistischen Hamas brachten aber bislang kein Ergebnis.

Je mehr Zeit verstrich, desto geringer waren die Aussichten, die Entführer zu stellen. Ein Bekennerschreiben im Namen eines bislang unbekannten El-Kaida-Ablegers wird angezweifelt. Darin werden keinerlei Forderungen erhoben. Trotzdem hat die Debatte über einen neuen Austausch palästinensischer Häftlinge gegen israelische Geiseln – wie 2011 im Fall des Soldaten Gilad Shalit – begonnen.

"Ernste Folgen"

Israels Premier Netanyahu machte die Hamas für die Entführung verantwortlich und drohte: "Dieselbe Hamas, mit der Palästinenserpräsident Abbas seine Einheitsregierung bildete. Das wird ernste Folgen haben."

Die palästinensische Regierung wies jede Verantwortung zurück: Die Entführung erfolgte im israelisch kontrollierten Teil des Westjordanlandes. Die palästinensische Polizei unterstützte zudem sofort die Fahndung. Sie stellte das Entführer-Fahrzeug sicher und entdeckte das Verschwinden zweier bekannter Hamas-Angehöriger am Tag der Entführung. Sie gelten als mutmaßliche Täter.

Auch Hamas-Sprecher Sami Abu Sughri wies jede Anschuldigung zurück. Netanyahus Vorwürfe und die Verhaftungen dienten nur dazu, die Hamas zu zerschlagen. Auf die vermissten Hamas-Aktivisten ging Sughri nicht ein.

Kadura Fares, Beauftragter der Pälastinenserorganisation Fatah für die Belange in Israel einsitzender Häftlinge, meinte: "Wer glaubt, so Gefangene befreien zu können, irrt gewaltig." Die Entführung gefährde vielmehr den Erfolg eines seit Wochen andauernden Hungerstreiks als Protest gegen Vorsorgehaft für mutmaßliche Terroristen: "Die Entführung schlägt uns die Karten aus der Hand."

Israels Außenminister Lieberman erklärte, seine Partei "Israel Beytenu" werde die Verabschiedung zurzeit diskutierter Gesetze beschleunigen. Sie sollen den Austausch verurteilter Terroristen gegen Geiseln verbieten. "Wir werden nicht mehr für Geisel-Deals stimmen. Unter keinen Umständen."