Politik/Ausland

Nordkorea: Doch kein Arbeitslager für Top-Funktionär

Zumindest einer der nach dem USA-Nordkorea-Gipfel in Hanoi im Februar angeblich in Ungnade gefallenen nordkoreanischen Spitzendiplomaten ist anscheinend am Leben. Es geht um Kim Yong-chol, Sondergesandter Nordkoreas in den Atomverhandlungen mit den USA. Einem südkoreanischen Medienbericht zufolge war Yong-chol nach dem Gipfel in ein Arbeitslager verbannt worden.

Auf TV-Aufnahmen des nordkoreanischen Staatsrundfunks war er jetzt aber an der Seite von Staatschef Kim Jong-un und anderen hochrangigen Parteifunktionären zu sehen. Die Aufnahmen zeigen einen Konzertbesuch Kim Jong-uns mit KP-Kadern.

Vorkommnisse nach gescheitertem Trump-Gipfel

Vergangene Woche hatte die südkoreanische Zeitung Chosun Ilbo berichtet, Nordkoreas Sondergesandter Kim Yong-chol sei gleich nach seiner Rückkehr von dem gescheiterten Gipfel abgeführt und in ein Arbeitslager geschickt worden. Ebenso eine Übersetzerin, die bei dem Treffen ein Detail vergessen hatte. Yong-chol war auf höchster Ebene mit den Vorbereitungen der politischen Gespräche zwischen US-Präsident Donald Trump und Kim Jong-un betraut. Zwei Mal traf er Trump im Vorfeld des Gipfels in Hanoi.

Weiters hatte das Blatt berichtet, der Spitzendiplomat Kim Hyok-chol sowie vier seiner Mitarbeiter seien gleich nach der Rückkehr aus Hanoi hingerichtet worden. Hyok-chol war ebenfalls maßgeblich an der Vorbereitung des Gipfels zwischen Trump und Kim Jong-un beteiligt. Er und seine Kollegen sind auf dem jetzigen Video nicht zu sehen.

Internationale Medien tappen bei der Deutung der Vorkommnisse in Nordkorea oft im Dunkeln. Offizielle Grundlage sind zumeist südkoreanische Berichte, die sich auf Beobachtungen von außen, Angaben von Überläufern oder Geheimdiensterkenntnisse berufen. Offizielle Bestätigungen (etwa für Hinrichtungen oder Verhaftungen) gibt es nie.