Politik/Ausland

Ein Lipizzaner für den Prinzen

Es war eine Fête Blanche mit Seltenheitswert. In der Open-Air-Arena tänzelte das weiße Lipizzaner-Ballett, umringt von einem Meer von Scheichs, allesamt in die traditionelle weiße Abaya gehüllt. Die Kulisse hingegen erinnerte mehr an Science Fiction als an ein klassisches Flair aus 1001-Nacht. Vor der futuristischen bronze- und metallicfarbenen Skyline Abu Dhabis spulte die Spanische Hofreitschule ihre weltberühmte Show ab – gekürzt auf 30 Minuten.

„Das ist, wie wenn man eine Wagner-Oper auf eine Stunde kürzen muss“, hörte man aus dem Team der Spanischen Hofreitschule. Kapriole, Courbette, Levade, Pas de deux – nicht jeder Sprung und jede Bewegung klappte perfekt in der imposanten Outdoor-Arena, die gleich neben dem Meer lag.

Ein Sandsturm als Unsicherheitsfaktor

Sonja Klima, die neue Chefin der Spanischen Hofreitschule, war sichtlich nervös bei ihrer Premiere: „Ein Sandsturm hatte das Training und fast auch die Show unmöglich gemacht. Dafür waren die hochsensiblen Pferde unglaublich toll.“

Macht nix. Kaum einer hat die kleinen Patzer bemerkt. Die gefühlten 300 geladenen Scheichs zückten, begeistert ihre Handys und drehten nonstop Erinnerungsvideos. Mittendrin ÖVP-Bundeskanzler Sebastian Kurz , begleitet von OMV-Chef Rainer Seele und Investor René Benko.

Kurz löste gestern ein Versprechen ein. Vor elf Monaten kam der Bundeskanzler mit einem Pferde-Porzellanfigürchen als Geschenk im Gepäck zum Kronprinzen Muhammad bin Zayid Al Nahyan von Abu Dhabi. Gestern wurde dem pferdenarrischen Herrscher, der im arabischen Raum trotz der kleinen Größe von Abu Dhabi eine wichtige Vermittlerrolle übernommen hat, das Original überreicht.

„Wird sich auszahlen“

Neapolitano Theodorosa, lautet der fast adelig klingende Name des Lipizzaners, der den Jackpot zog. Künftig residiert der weiße Hengst im Luxusstall der Herrscherfamilie. Im einem Land, wo man Cappuccino-Milchschaum mit dekadentem Blattgold serviert, darf man davon ausgehen, dass auch die Stallungen edel sind.

Es ist ein großzügiges Geschenk, aber es wird sich für Österreich auszahlen“, so Kurz. Die Show der Spanischen Hofreitschule lieferte die perfekte Bühne, um die wirtschaftlichen Beziehungen zu intensivieren.

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Der erste Schritt dazu wurde schon vor einigen Wochen gemacht. Mit der Unterschrift von OMV-Chef Seele und ADNOCH-Generaldirektor Sultan Ahmed Al Jaber kaufte der heimische Öl- und Gaskonzern 15 Prozent an einer Raffinereie von ADNOCH (Abu Dhabi National Oil Company). Die Raffinerie hat eine Kapazität von 922.000 Fass pro Tag. Der Kaufpreis betrug 2,5 Milliarden Dollar (2,19 Mrd. Euro).

Das Golf-Emirat Abu Dhabi ist mit 24,9 Prozent, neben der österreichischen Staatsholding mit 31,5 Prozent, der zweite Kernaktionär der OMV. Es geht also um eine Ausweitung der bisherigen Zusammenarbeit. Der zweite Schritt folgt nun. „Der Bundeskanzler war ein Türöffner für uns“, so OMV-Chef Seele. Noch dieses Jahr soll ein strategisches Partnerschaftsabkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten unterzeichnet werden.

Öl aus Plastikmüll

„Bis jetzt haben sie nur Kooperationen mit Big Player wie Indien oder Frankreich abgeschlossen“, so Kurz. Konkret holte sich die OMV vom Kernaktionär auch grünes Licht für ein innovatives Projekt im Chemiebereich – nämlich aus Plastikmüll synthetisches reines Rohöl zu produzieren. „Wir werden jetzt entscheiden, ob wir in ein Forschungsprojekt oder direkt in ein gemeinsames Investitionsprojekt investieren werden“, so Seele.

Mit diesem Verfahren, das sich die OMV weltweit patentieren ließ, soll die chemische Produktpalette der OMV erweitert werden. „Wenn die OMV erfolgreich ist, dann freut es auch die Republik, denn die Dividendenausschüttung ist dann hoch“, so Kurz. Heuer sollen es 180 Millionen Euro werden.