Politik/Ausland

„Dialog mit Islamisten ist unmöglich“

Die erste internationale Verstärkung, die die französischen Truppen in Mali im Kampf gegen die dortigen Islamisten nun erhielten, war überschaubar: 40 Mann aus Togo trafen in der Hauptstadt Bamako ein – als Vorhut für insgesamt 3300 Soldaten, die die „Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft“ entsenden will. Dennoch konnten die schwachen malischen Streitkräfte im Schlepptau der Franzosen Erfolge verbuchen: Die von den Extremisten in der Vorwoche eingenommenen Städte Konna und Diabaly wurde zurückerobert.

„Die Intervention Frankreichs ist legitim und mutig“, sagt der in Österreich lebende Malier Mamadou Kone bei einem Pressegespräch der entwicklungspolitischen NGO VIDC. Nicht nur deswegen, weil die nationale Armee dem Ansturm der Islamisten nicht Stand halten hätte können, sondern auch weil „die Interessen europäischer Staaten betroffen sind“, meinte der Linguist in Anspielung auf die blutige Geiseltragödie in Algerien. Es gehe darum, gegen die „Expansion des Terrors“ anzukämpfen, der leicht nach Europa überschwappen könnte.

Die „Gotteskrieger“ bezeichnet Kone als völlig rückwärtsgewandt: „Die leben in einer anderen Welt. Sie respektieren nicht die Grundrechte der Menschen, speziell der Frauen. Wenn sie Dieben Hände abhacken, dann passt das doch nicht in das Jahr 2013. Der Dialog mit ihnen ist unmöglich, die verstehen nur die Sprache der Gewalt“, so Kone.

Handys abgenommen

Die in Wien Jus und Internationale Entwicklung studierende Malierin Mariam Diakite weiß zudem zu berichten, dass die Dschihadisten noch keineswegs geschlagen sind. „In Timbuktu etwa haben sie sich neue Kleider besorgt und mischen sich unter das Volk, sodass man sie nicht als Feinde identifizieren kann. Außerdem haben sie den Menschen die Handys abgenommen, damit diese keine Informationen an die Franzosen weiterleiten können.“ Nachsatz: „Außer meinem Bruder ist meine ganze Familie weiterhin in Mali. Ich habe große Angst um sie.“

Verunsichert ist auch die Bevölkerung im westafrikanischen Staat selbst, weshalb sie große Sympathie für das militärische Engagement der ehemaligen Kolonialmacht hegt. „Häuser, Mopeds, Autos sind mit französischen Flaggen geschmückt“, weiß die Entwicklungshelferin Elisabeth Förg, die eineinhalb Jahre in Mali tätig war. Krieg alleine löse die Probleme aber nicht: „Man muss der Jugend – die Hälfte ist jünger als 15 Jahre – eine Perspektive bieten. Ansonsten droht Mali wirklich zu einem failed state (gescheiterten Staat) zu verkommen.“