Motor

Werbung mit falschen Zahlen: Die Reichweite löst den Verbrauch ab

Dass die individuellen Verbrauchswerte neuer Autos mit Verbrennungsmotor jetzt in der EU zentral erhoben werden, mutet angesichts der von ihr vorgegebenen Richtung hin zum Elektroauto einigermaßen verspätet an.

Und erinnert an die Zeit, als der Durchschnittsverbrauch eines Modells angesichts steigender Spritpreise zu einem zentralen Verkaufsargument der Autoindustrie wurde. Spätestens, als man mit dem genormten Verfahren zur Bestimmung des Benzin- oder Diesel-Verbrauchs eine plakative Vergleichsgröße zur Hand hatte, konnten sich die Werbe-Abteilungen der verschiedenen Autohersteller nicht mehr halten. Obwohl es sich dabei um einen unter Labor-Bedingungen auf dem Prüfstand erzielten Wert handelte, der im normalen Verkehr auf der Straße so nicht erreichbar war, wurde er vielfach massiv beworben.

Sehr zum Missfallen des gutgläubigen Teils der Kundschaft, der Händler und Importeure mit Beschwerden bombardierte, wenn festgestellt wurde, dass aufgrund des individuellen Fahrstils und des jeweiligen Streckenprofils ein viel höherer Durchschnittsverbrauch zustande kam als der in der Werbung versprochene.

Mit dem Wechsel zum Elektro-Auto werden die gleichen Fehler wieder gemacht. Da die Verbrauchswerte der Stromer in der öffentlichen Wahrnehmung derzeit noch keine relevante Größe sind, stehen zwei andere Referenzwerte im Mittelpunkt des Marketings. Diesmal kann kaum ein Hersteller widerstehen, die Reichweiten-Angaben und Schnelllade-Zeiten der jeweiligen E-Autos ins Scheinwerferlicht zu rücken.

Aber auch hierbei handelt es sich um weitgehend fiktive Laborwerte unter Idealbedingungen, die im echten Leben kaum je erzielbar sind. Und die noch stärker von der individuellen Nutzung und Faktoren außerhalb des Einflussbereiches der Autohersteller abhängig sind.

So weicht etwa die tatsächlich erzielbare Kilometerleistung allein durch die falschen Außentemperaturen zwangsläufig schon weit von der im Prospekt angepriesenen Mega-Reichweite ab.  Oder es nützt auch die schönste Hochvolt-Architektur samt superschnellem Ladegerät an Bord nichts, wenn die Schnellladesäule des Stromanbieters gerade unterversorgt ist.

Die Maximalwerte in der Bewerbung nur im sprichwörtlichen Kleingedruckten zu relativieren, kann nicht gerade als vertrauensbildende Maßnahme im ohnehin schwierigen Verhältnis der Kundschaft zu den für sie neuen E-Autos verbucht werden. Letztlich wird mit in der Realität nicht einhaltbaren Heilsversprechen nur die Skepsis gegenüber den teuren Vollzeit-Stromern befeuert.

Was nicht im Sinne des Erfinders sein kann, soll die Ablöse der Verbrenner durch Batterie-Autos in dem von der Politik gewünschten Tempo gelingen.

Aber dass die Wahrheit den potenziellen Autokäufern zumutbar ist, scheinen ja nicht einmal die Lenkungsgremien der EU zu glauben. Sonst würde die gerade eingeführte zentrale Auswertung der via Onboard-Diagnose erhobenen individuellen Verbrauchswerte wohl nicht vor Elektroautos halt machen.