Meinung/Kolumnen/Knecht

Noch traumatisiert von der EURO

Noch ein Wengerl traumatisiert von der Fußball-Europameisterschaft

Doris Knecht
über das Ergebnis der Volksbefragung

Mit den Olympischen Spielen in Wien wird’s also nichts: Die Wienerinnen und Wiener, die sich an der Volksbefragung beteiligt haben, waren mehrheitlich dagegen. Was schlecht ist für den Sport und die diversen Sportvereine in Wien – beinahe alle jammern über zu wenige, zu kleine, veraltete Sportstätten. Dieses Problem hätte sich durch ein Ja zur Bewerbung entschärft: Und vermutlich haben die wenigsten Wiener etwas gegen den Ausbau einzelner Sportstätten und deren Vermehrung einzuwenden. Aber das wurde nicht gefragt. Gefragt wurde, ob Wien sich für ein enorm großes Großereignis bewerben soll – und möglicherweise sind viele WienerInnnen noch immer ein Wengerl traumatisiert von der Fußball-Europameisterschaft 2008 in Wien, die nämlich, auch wenn derlei hinterher gerne verklärt wird, keineswegs bei der gesamten Bevölkerung nur Euphorie und Begeisterung ausgelöst hat. Und die Idee, dass Wien erneut Schauplatz eines noch viel massiveren Massenspektakels mit all seinen Begleiterscheinungen werden könnte, und sei es noch so lange hin, hat offenbar bei den wenigsten WienerInnen wahre Begeisterung ausgelöst.

Themawechsel. Einige Leserinnen und Leser gaben mir im Zusammenhang mit der gestrigen Kolumne zu verstehen, Journalisten hätten Gerichtsurteile nicht zu kommentieren. Recht habe mit Gerechtigkeit nun einmal nichts zu tun, man solle sich sein inkompetentes, naives subjektives Rechtsempfinden bitte einmargerieren und kusch sein. Interessant: Ich wusste gar nicht, dass die Meinungsfreiheit dort aufhört, wo die Rechtsprechung anfängt. Und ich glaube es auch nicht, denn täte sie es, wäre Homosexualität vermutlich bis heute strafbar und Vergewaltigung noch immer ein Kavaliersdelikt. Denn natürlich dürfen Journalisten und alle anderen Menschen, selbst wenn es ihnen dafür an juristischem Fachwissen mangelt, Richtersprüche ebenso kritisieren, wie diese Richter das ignorieren dürfen. Aber bitte, korrigieren Sie mich, wenn ich mich irre, auch hier.