Meinung

Ein Laien-Schauspiel

Der ORF-Wahlmodus ist verrückt.

Dr. Martina Salomon
über die ORF-Wahl

Es ist wahrlich keine Überraschung, dass die Regierung beim ORF-Chef mitmischt. Bei anderen öffentlich-rechtlichen Sendern – von BBC bis ZDF (wo ein Ex-SPD-Ministerpräsident den Aufsichtsrat leitet) ist das nicht anders. Erstaunlich ist nur, dass sich Rot-Schwarz, wie schon beim Rechnungshof, nicht im Vorfeld auf eine vernünftige Lösung einigen konnten und ein erschreckend laienhaftes Schauspiel boten.

Wer sich jetzt über Norbert Steger empört, der – in der Meinung, dass die FPÖ ohnehin bald mitregieren wird – schon an einem neuen ORF-Gesetz bastelt, ist naiv. Erstens braucht es tatsächlich eine Reform. Zweitens macht Steger nur sichtbar, was seit Jahrzehnten Praxis ist. Manchmal verkalkulieren sich Regierungsparteien auch, wie seinerzeit die ÖVP mit Monika Lindner. Eine "Regenbogenkoalition" wählte schon vor zehn Jahren Alexander Wrabetz. Ein Fanal für Wolfgang Schüssel, der danach auch die Nationalratswahlen verlor.

Das heurige zähe Ringen zwischen einem roten und einem schwarzen Kandidaten zeigt nur, dass die Koalition (wieder) nicht funktioniert und der ORF-Wahlmodus verrückt ist. Kein internationaler Manager kann sich eine Kandidatur antun – und unmoralische Angebote sind an der Tagesordnung. So bekamen die Landeshauptleute ihr "Frühstücksfernsehen" – und was da sonst noch alles läuft, will man lieber gar nicht so genau wissen. Die Grünen scheinen jedenfalls uneins zu sein, die Neos sind Hampelmänner ihres Mäzens, manche Stiftungsräte wählten gar nicht.

Am Ende sind ORF und Politik gleichermaßen beschädigt. Schade ist, dass die wirklich unabhängige Programmdirektorin Kathrin Zechner künftig nicht mehr für Information zuständig sein wird. "Alles bleibt besser" war einst ein ORF-Werbeslogan. Wahr ist: Alles bleibt, wie es ist – vielleicht sogar etwas schlechter.