Leben/Gesellschaft

Model: "Ich wurde wegen meiner Haare diskriminiert"

Über 18.000 Mal wurde Nyadak Thots Posting auf Instagram bisher gelikt. Darin erzählt die gebürtige Südsudanesin, wie lange sie sich wegen ihrer natürlichen Haare geschämt habe und deshalb im Model-Business diskriminiert worden sei. In dem Beitrag beschreibt die 21- Jährige, die unter anderem durch ihre Teilnahme bei der Casting-Show Australia's Next Top Model bekannt wurde, wie frustrierend es sei, dass viele Stylisten mit ihren krausen Haaren überfordert sind und sie deswegen als Model zweiter Klasse behandelt werde.

Traumatischer Vorfall bei TV-Show

Anlass für das Posting war ein Shooting mit einer Schmuckmarke, bei dem ihr bereits im Vorfeld angeboten wurde, ihre natürlichen Haare zu tragen. Zunächst sei sie aufgrund des Angebots regelrecht skeptisch gewesen, zu lebendig waren die Erinnerungen an Situationen, in denen ihre krausen Locken für Probleme gesorgt hatten. Thot erinnert sich beispielsweise an ein Shooting im Zuge der TV-Show ANTM, bei der sie vor einem Fototermin ihre Haare selbst flechten musste, da die anwesenden Stylisten "nicht wussten, wie man meine natürlichen Haare flechtet." Nach dem Vorfall sei sie extrem "aufgelöst und peinlich berührt" gewesen. "Ich saß dann stumm vor dem Spiegel und musste weinend meine Haare flechten, währen die Kameras um mich herum schwirrten und alle andere Mädchen ihre Haare gestylt bekamen", erinnert sich die junge Frau auf Instagram.

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Auch andere Models betroffen

Thot ist nicht die das erste Model, das die Diskriminierung aufgrund von Haaren und Hautfarbe in der Modelbranche öffentlich zum Thema macht. Das internationale Topmodel Jourdan Dunn klagte bereits vor Jahren auf Twitter über den unqualifizierten Umgang mit dunkelhäutigen Frauen beim Styling von Haaren und Haut. Model-Ikone Naomi Campbell sprach erst im März dieses Jahres erneut über ihre Erfahrungen mit ungeschultem Personal. "Es ist enttäuschend zu hören, dass farbige Models nach all diesen Jahren noch immer dieselben Probleme haben", sagte sie gegenüber der Teen Vogue.

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Industrie "muss Verantwortung übernehmen"

Auch Thot sprach im Interview mit dem Blatt kürzlich offen und ausführlich über ihre Erfahrungen. So sagte sie unter anderem, dass sie typischerweise selbst Make-up und Clip-ins zu Fotoshootings mitbringe, um unangenehme Situationen mit unerfahrenen Stylisten zu vermeiden. Angesprochen auf ihre Beziehung zu ihren Haaren im Allgemeinen sagte sie: "Zuallererst sind Haare ein Accessoire und definieren eine Frau nicht. Ich habe für meinen Job schon alles Mögliche mit meinen Haaren gemacht – ich war komplett kahl geschoren, rasiert, hatte eine blonde Kurzhaarfrisur. (…) Was ich aus all diesen Dingen gelernt habe ist, dass man einfach versuchen muss man selbst zu sein." Als dunkelhäutige Frau sei sie nie dazu angeleitet worden, ihre Haare zu kultivieren. Stattdessen habe sie gelernt diese zu verstecken. Anstatt die Natürlichkeit schwarzer Frauen zu betonen, wurden ihnen Perücken, Extensions und Glatzen verpasst.

Obwohl sich in den vergangenen Jahren viel verändert habe und natürliches Haar schwarzer Frauen im Business immer mehr anerkannt wird, sei der Kampf noch nicht ausgefochten. "Die Industrie sollte endlich Verantwortung übernehmen und in uns investieren", so Thot.

Haare als schmerzhaftes Statussymbol

Nicht nur in der - mehr oder weniger glamourösen - Modelwelt sind Haare und Haut für dunkelhäutige Frauen ein großes Thema. In Afrika gelten die Haare neben Markenkleidung, Schmuck und Autos als gesellschaftliches Statussymbol. Vorausgesetzt diese sind glatt und gestylt – und nicht kraus. Dafür nehmen viele Afrikanerinnen mitunter große Schmerzen auf sich.

Bevor der Afro zu Zöpfchen geflochten werden kann, muss er gekämmt werden. Eine schmerzhafte Prozedur, gerade für junge Mädchen. Nicht selten werden Friseurbesuche deshalb von Tränen begleitet. Angesichts dieser traumatischen Kindheitserinnerungen verzichten viele Frauen im Erwachsenenalter auf die Zöpfe und scheren sich die Haare raspelkurz. Dann kommen Perücken oder eingeflochtenes Kunsthaar zu Einsatz. Letzteres bleibt oft über Wochen im ungewaschenen Haar, um die Pracht möglichst lange zu konservieren. Das führt wiederum zu unangenehmem Juckreiz.