Kultur/Medien

Concordia-Journalismuspreise an Lendvai, Thür, Zöchling

Die Concordia-Preise für außerordentliche publizistische Leistungen sind am Dienstag in der Wiener Hofburg verliehen worden. Dabei betonte Lebenswerk-Preisträger Paul Lendvai den Mehrwert von Journalismus für eine Gesellschaft, während ORF-Journalist Martin Thür der Politik ihre Grenzen in Erinnerung rief und „profil“-Redakteurin Christa Zöchling die universelle Gültigkeit von Menschenrechten hochhielt.

Lendvai wurde vom Presseclub Concordia für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Der mittlerweile 92-jährige in Budapest geborene Journalist und Publizist ist seit vielen Jahren als politischer Kommentator tätig und war Mitte der 1980er-Jahre Leiter der Osteuropa-Redaktion des ORF. Zudem veröffentlichte er zahlreiche Bücher und wurde mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik ausgezeichnet. „ZiB 2“-Anchorman Armin Wolf zeigte sich in seiner Laudatio überrascht, dass Lendvai nicht schon längst für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden war. Vertrete er doch einen Journalismus, den es in diesem Land viel zu selten gebe: Weltoffen, international und sich immer an den besten messend. Zudem sehe kein Kommentator die Entwicklungen im Osten Europas kompetenter und klarer als Lendvai.

Ruhestörer

Der Preisträger selbst erinnerte in seiner Rede daran, dass Journalisten nicht populär, sondern Ruhestörer seien. Trotz allem hätten sie damit aber „einen großartigen Beruf“. „Wir zeichnen das Gesicht der Zeit. Ohne uns wäre die Gesellschaft blind und taub, eine leicht lenkbare Masse für jene, die die Zeit des starken Mannes vorbereiten wollen“, so Lendvai. In Ungarn, seinem Geburtsland, würden bereits die letzten Reste der freien Medienlandschaft still sterben. In Österreich gebe es dagegen noch eine freie Medienlandschaft, machte Lendvai auf diesen kostbaren Umstand aufmerksam. Er selbst sei sehr froh, bei seiner Arbeit - sei es derzeit beim „Standard“ oder früher beim ORF - maximale Freiheit zu genießen.

Kontrollinstanz

Martin Thür erhielt die Auszeichnung für sein Engagement im Sinne der Informationsfreiheit. Dieses bewies er etwa im Zuge von Recherchen zu Gehaltsfortzahlungen von ehemaligen Abgeordneten. Als ihm die Auskunft verweigert wurde, zog er bis vor den Verfassungsgerichtshof, bekam recht und erkämpfte damit eine Stärkung des Journalismus als Kontrollinstanz, wie die Jury festhielt.
Der Preisträger nahm auf seinen Erfolg Bezug: Dass Journalistinnen und Journalisten in Österreich für öffentliche Information vor Gericht gehen, sei noch vor einigen Jahren undenkbar gewesen. „Wenn aber mittlerweile eine Hundertschaft an PR-Mitarbeitern in Landes- und Bundesregierungen mit Steuergeld verhindert, dass die Öffentlichkeit erfährt, was in unserem Auftrag mit unserem Geld passiert, müssen auch wir unsere Methoden erweitern“, meinte er in seiner Rede.
 

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Die Politik erinnerte Thür an ihre Grenzen - etwa in Hinblick auf Bestellungen im ORF: „Wenn sich Regierungen allen Ernstes Gedanken machen, wer was wird im ORF, dann ist das nicht ihr gesetzlicher Auftrag, sondern eine Zumutung.“ Dabei glaube er nicht, dass es dabei nur um Einfluss auf die Berichterstattung gehe. „Da geht es darum zu zeigen, wer die Macht hat. Und darum zu beweisen, dass Regeln längst nicht für alle gelten“, so der ORF-Journalist. Führungsfunktionen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sollten nicht an jene gehen, die einer Partei nahe stehen, sondern an jene, die allen Parteien möglichst distanziert gegenüberstehen. Die Journalistinnen und Journalisten des Hauses würden sich an das ORF-Gesetz halten und die Unabhängigkeit wahren. Zeit werde es, dass sich auch die Politik an Regeln halte, so Thür.

Für Menschenrechte

Zöchling wurde für ihre Reportage „Der Hölle entrissen“ in der Kategorie Menschenrechte geehrt. Darin beschreibt die Journalistin die Flucht einer Richterin und ihrer Familie vor den Taliban. Ihr sei es damit gelungen, „nachvollziehbar und glaubhaft aufzuzeigen, was für viele Gefährdete möglich wäre, wenn die einzelnen EU-Mitgliedsstaaten ihre menschenrechtlichen Verpflichtungen ernst nehmen würden“, so die Jury.

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Die „profil“-Journalistin meinte, mit ihrer Geschichte Aufklärung gebracht zu haben. Nämlich dahingehend wie der Satz „Alle Menschen sind an Würde und Rechte gleich geboren“ von der Politik interpretiert werde. In Luxemburg bekam die Richterin Asyl, weil dort nicht akribisch wie andernorts nachgezählt werde, wie viele notleidende Personen bereits aufgenommen wurden, so Zöchling. „Menschenrechte sind universell oder sie sind nicht“, mahnte Zöchling. Zwar müsse die Richterin mittlerweile keine Angst mehr haben, aber alles, was sie sich aufgebaut hat, gelte nichts mehr, rief sie die Bedeutung von Einrichtungen wie dem Integrationshaus in Österreich in Erinnerung - aber auch die Bedeutung von Menschen wie dem kürzlich verstorbenen Willi Resetarits, die das Engagement beweisen, derartiges aufzubauen.