Kultur

Leere Kilometer bei der ORFeins-Reform

Vielleicht ist es das Trauma der "größten Programmreform aller Zeiten". Oder, wie manche meinen, die unklare Regierungssituation. Oder es gibt schlicht sachliche Gründe, die noch nicht durchgesickert sind: Am Dienstag tagte erneut die von Generaldirektor Alexander Wrabetz nach der Sommer-Klausur eingesetzte ORFeins-Reform-Gruppe. In Anwesenheit des Generals und diesmal auch der Programm-Direktorin Kathrin Zechner lauschte man einer ebenfalls von Wrabetz eingesetzten Sub-Gruppe zum Thema ORFeins-Information.

Mit keinem Ergebnis. Eine nächste Runde folgt nun Mitte Dezember.

Eine magere Zwischenbilanz, mit der die ORF-Spitze nächste Woche vor den Stiftungsrat treten muss. Dabei sollen die Programm-Schemata samt Innovationen diskutiert werden. Das dürfte kurz ausfallen.

Ein Profil für jeden Tag

Das (Nicht-)Ergebnis erstaunt, weil die Reform-Gruppe in den vergangenen Wochen nicht untätig war. Es gibt plausible Überlegungen, wie man ORFeins umbauen sollte, um es trotz angespannter Budgets zu stabilisieren: Jeder Wochentag bekäme im Hauptabend ein klares Profil und wird, wie vom General gewünscht, mit mehr Eigenproduktionen und österreichischen Inhalten gestärkt. Das fiele nun auch leichter, weil die Sportrechte weniger werden. Zur Finanzierung dieser Reform müsste das Budget von ORFeins, wie es heißt, um nicht einmal zehn Prozent erhöht werden. Das sollte machbar sein.

Stratege neu an Bord

In der Zwischenzeit überraschte Wrabetz damit, dass er den ORF-Strategen Franz Manola hinzu zog, der nun mit ORFeins-Info-Chefin Lisa Totzauer die Info-Untergruppe führt. Manola forciert ein werktägliches Info-Magazin im ORFeins-Hauptabend. Damit würde man aber ORF2 in die Quere kommen, wo relativ viele Junge "Am Schauplatz" & Co sehen. Außerdem würde der ORF – ORFIII mitgedacht – zu einer elitären Sender-Familie. Wer darauf keine Lust hat, müsste sich anderswo umschauen. Freude am Magazin hätten eher Politiker, die dort zusätzliche Präsenz zu gewinnen hätten, geben interne Skeptiker zu bedenken.

Quoten unter Druck

Die Quoten des ORF stehen indes weiter unter Druck, wie der Bericht für das 3. Quartal offenbart: Demnach profitierte das relativ stabile ORF2 im Vergleich zum Vorjahr von der Vormittagsschiene, verliert aber deutlich zwischen 18 und 20.15 Uhr. ORFeins hat über den ganzen Tag hinweg Probleme und verliert bei den schwer zu erreichenden jungen Zusehern massiv. Originell war übrigens das Ergebnis im Oktober: Da lag bei den 12- bis 49-Jährigen ORF2 (12,1 %) vor ORFeins (11,9 %) – ein Ausreißer, der den Nationalratswahlen geschuldet war.

Weil aber halt weiter wenig passiert, tauchen wieder Spekulationen auf, dass das alles kein Zufall sein könne. Und wieder geht das Gerücht von der ORFeins-Privatisierung durch ÖVP und FPÖ um. In den Koalitionsverhandlungen wurde Stillschweigen vereinbart. Wie aus Verhandlerkreisen durchsickerte, sei eine Privatisierung von ORFeins jedoch "kein Thema".