Kultur

Elina Garanča im Interview: „Zurüstungen“ für die Zukunft

An sich ist ihr Terminkalender übervoll. Von Wien über Paris bis New York – kein Opernhaus von Weltformat möchte auf die Dienste von Elina Garanča verzichten. Vor allem, nachdem die gefeierte Mezzosopranistin nun ihren Fachwechsel auch offiziell vollzogen hat. Abschied von Mozart und von Belcanto-Partien – hin zu den hochdramatischen Heroinen, so sieht Elina Garančas Zukunft aus. Doch die Künstlerin interessiert sich auch für die Zukunft junger, noch unbekannter Sängerinnen und Sänger. Daher wird auch „Klassik unter Sternen“ am 3. Juli 2019 in Stift Göttweig im Zeichen der Jugend stehen. Dem KURIER gewährte der Weltstar Einblicke in ihr neues Herzensanliegen.

KURIER: Am 3. Juli werden Sie wieder bei „Klassik unter Sternen“ in Göttweig singen ...

Elina Garanča: (lachend) ... und ich mache jetzt schon Werbung dafür! Aber im Ernst. das wird – wie auch „Klassik in den Alpen“ am 6. Juli in Kitzbühel – diesmal ein ganz besonderes Konzert für mich, weil es erstmals um die „ Zukunftsstimmen“ geht.

Was hat es mit diesen „Zukunftsstimmen“ auf sich?

Mein Mann Karel Mark (Chichon, Anm.) und ich wollten schon lange eine Initiative ins Leben rufen, die sich um die Förderung des Nachwuchses kümmert. Mit den „Zukunftsstimmen“ ist uns das nun gelungen. Konkret geht es darum, dass sich Sängerinnen und Sänger mit österreichischer Staatsbürgerschaft im Alter zwischen 18 und 32 Jahren noch bis Ende 2018 auf einer eigens eingerichteten Homepage (www.zukunftsstimmen.at) bei uns anmelden können. Im Rahmen mehrerer Runden des Vorsingens werden wir dann, unterstützt von einer hochkarätigen Jury, eine Siegerin oder einen Sieger küren. Der Gewinner wird dann bei „Klassik unter Sternen“ auftreten.

Also ein Gesangswettbewerb?

Nein. Viel mehr als das. Es geht um die nachhaltige Förderung. Ich werde die jungen Damen und Herren begleiten, mit Rat und Tat zur Seite stehen. Und ich werde auch ganz ehrlich sagen, wenn ich sehe, dass jemand eher nicht die Opernkarriere einschlagen sollte. Ich bin da Lehrerin, Vertrauensperson und Psychologin. Denn in der Klassikbranche sind Psychologen nicht unwichtig!

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Brauchen Sänger tatsächlich psychologische Unterstützung?

Jeder verneint das. Aber jeder hat einen Psychologen! Bei mir ist das meine Familie. Und daher möchte ich Karrieren wirklich sukzessive aufbauen und auch begleiten. Denn nicht jeder hat auf seinem Weg das Glück, das ich hatte. Ich möchte endlich etwas von diesem Glück professionell weitergeben.

Ihre eigene Karriere führt Sie zu den hochdramatischen Partien. In Paris etwa kommt im Jänner die Didon in „Les Troyens“ von Hector Berlioz ...

... eine tolle Rolle, die gesanglich gar nicht so anspruchsvoll ist, die aber psychisch eine große Herausforderung darstellt. Man muss die Königin, die Liebende und die Verzweifelte binnen kurzer Zeit erlebbar machen. Ich freue mich schon auf die Arbeit mit Dirigent Philippe Jordan, der bei diesem Epos glücklicherweise auch Striche macht. Man kann Emotionen ja auch in acht anstatt in 20 Minuten darstellen.

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In Wien kommt im März die Santuzza in „Cavalleria“ ...

... (lacht) auch so eine leichte Partie! Aber nichts gegen die „Aida“-Amneris, auf die ich mich vorbereite. Und natürlich nichts gegen die Kundry in Wagners „Parsifal“. Die werde ich 2022 auch in Wien singen, denn Wien ist für mich eine meiner Heimatstädte neben Riga und Gran Canaria. Von Gran Canaria und dem Meer ist übrigens auch meine neue CD inspiriert, die im März erscheinen soll. Ich fühle mich im Moment nämlich so offen, so frei und gut aufgehoben. Daher habe ich auch meine Biografie erweitert. Vieles, was mir einst wichtig war, zählt heute nicht mehr. Meine Töchter, mein Mann, meine Familie sind für mich das Wichtigste. Ich möchte für meine Töchter da sein und ihnen eine lebenswertere Zukunft bieten. Eine Zukunft in Frieden und in Harmonie.

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