Kultur

Backstreet Boys live: Perfekte Show für "Oh, Baby"-Einheitsbrei

So kann man natürlich noch mehr Geld machen: Man spart sich Gagen von Musikern, nimmt stattdessen Computer, die die Musik von der Festplatte abspielen, und lässt sich für die Anwesenheit, die Hits und die typischen Boyband-Tanzroutinen feiern. Und natürlich für den Gesang. Der kam schon allzeit live aus den Boxen, als die Backstreet Boys Dienstagabend in der Wiener Stadthalle auftraten. Und zwar genauso perfekt wie die in jedem Detail ideal synchronen Choreografien. 

Alle Inhalte anzeigen

Eigentlich war die ganze Show perfekt. Die Bühne der „DNA“-Tour - benannt nach dem im Jänner erschienen neunten Album des Quintetts - war klug aufgebaut, hatte über dem dreieckigen Steg, der von der Hauptbühne ins Publikum ragte, eine genauso spitze Videowand, die für alle der 15.000 Besucher gut sichtbar machte, was A. J. McLean, Howie Dorough, Nick Carter, Brian Litrell und Kevin Richardson auf der Bühne trieben. Die Videos am Bühnenhintergrund sorgten währenddessen szenisch für Stimmung, zeigten häufig Natur-Elemente in Verbindung mit moderner Technik oder Abstraktem.

Dazu gab es eine prallvolle Setlist mit mehr als 30 Songs, natürlich mit allen Hits, darunter auch „Chances“. Geschrieben von Ryan Tedder (OneRepublic) und Shawn Mendes, war dieser Song wohl der der Hauptgrund dafür, dass „DNA“ auch in Österreich Platz eins der Album-Charts erreichte. 

Alle Inhalte anzeigen

Trotzdem kam nur ein schwacher Aufschrei, als Nick Carter fragte, wer von den Konzertbesuchern das Album hat. Die Meisten waren auf Nostalgie eingestellt. Gekreischt wurde anno 2019 genauso spitz wie Ende der 90er - für genau dasselbe wie Ende der 90er: Für bestimmte Tanzmoves. Für Nick Carter, wenn der ein Solo sang, für Nick Carter, wenn der vor seinen Fans auf die Knie fiel. Für A. J., wenn der betonte, wie toll Wien ist, für Kevin Richardson, wenn der betonte, wie toll Wien ist. Für Kevin Richardson, wenn der (mit 48 Jahren!) Unterhosen ins Publikum warf. 

Alle Inhalte anzeigen

Musikalisch gab es nicht viel zu bekreischen. Klar, Klassiker wie „Quit Playing Games (With My Heart)“, „I Want It That Way“ und „Everybody (Backstreet’s Back)“ machen auch heute noch bei jedem gut Stimmung. Aber viele der weniger bekannten Songs laufen nach dem immer gleichen Schema, sind Powerpop mit seltenen Rap-Einschüben, mal schnell und mal langsam, aber eigentlich mit wenig Abwechslung. Auch in den Themen: Die Textzeilen variieren von „Baby, I’m sorry“ über „Oh Baby, you’re so fine“ bis „Baby, I want you tonight“.

Alle Inhalte anzeigen

Natürlich war auch wegen des Fehlens einer Band abseits der Nostalgie musikalisch wenig Berührendes dabei. Die Musik lebte nicht, klang wie von einer Maschine runtergespult, weil sie in der Basis genau das war. Die Wiener liebten es trotzdem. Aber auch wenn keiner gekreischt hätte, sogar, wenn keiner da gewesen wäre, hätte es genauso geklungen.

Alle Inhalte anzeigen

Immer wieder versuchten die Backstreet Boys, diese gläserne Wand der glatt polierten Routine zwischen sich und dem Publikum zu unterbrechen, menschlicher zu wirken und Kontakt zu machen, in dem sie längere Plauderphasen dazwischenschoben, schon wieder betonten, wie toll Wien ist, sich an frühere Zeiten erinnerten oder von den Auftritten ihrer Kinder in ihren Videos erzählten.

Alle Inhalte anzeigen

Trotzdem kam einer der schönsten Momente erst bei einem A-cappella-Zwischenspiel, als die fünf Sänger auf einem Podest hoch über dem Bühnensteg ohne jegliche Soundeinspielungen „Breathe“ sangen. 

Ohne Frage: Die Backstreet Boys holten in der Stadthalle das Optimum aus dem Set-up ohne Musiker heraus. Aber das Beste an dem Abend war deshalb dann doch die Show als Gesamtkunstwerk und nicht das Hörerlebnis.