Kolumnen

"ÜberLeben": Seeräubermangel am Faaker See

Ich war zwölf Jahre alt, da packten meine Eltern mehrere Koffer, einen Hund, eine Katze, zwei Meerschweinchen, vier Menschen und ein Schlauchboot in beziehungsweise auf einen Kombi und fuhren an den Faaker See. Wir hatten uns damals ein Ferienhaus mit Seezugang gemietet, das war zu dieser Zeit tatsächlich noch erschwinglich.

Ich kann mich noch sehr gut an diese Zeit erinnern. Ich wollte damals unbedingt verliebt sein – alle meine Freunde gaben vor, verliebt zu sein – aber ich war zum Verliebtsein noch viel zu jung.  Viel mehr hat mich damals der Gedanke fasziniert, einen Seeräuberschatz zu finden, was mir nicht gelang, denn am Faaker See herrschte damals akuter Seeräubermangel.

Ich habe meine etwas wirren Gedanken – die Pubertät setzte gerade ein – einem Tagebuch anvertraut. Ich kann leider nicht mehr nachlesen, was ich damals geschrieben habe, denn das Tagebuch ist bei einem Umzug verloren gegangen. Ich weiß noch, dass ich stundenlang mit dem Schlauchboot über den Faaker See fuhr und mich meinen Träumen hingab.

Mein Vater versuchte sich damals am Windsurfen, was für große Heiterkeit bei allen Beobachtern sorgte, weil er nämlich auf der falschen Seite des Segels stand.

Ich habe damals gelernt zu angeln, etwas, das mich ungeheuer faszinierte. Ich konnte etwas fangen, was meine Mutter dann in der Pfanne briet. Die selbst gefangenen Fische schmeckten besser als alles, was ich je gegessen hatte. Später habe ich das Angeln wieder aufgegeben, weil mir die Fische leidtaten.

Und ich habe damals gelernt, Gewitter zu lieben. Fast jeden Abend zuckten die Blitze über den See, der Donner rollte, der Regen prasselte. Ich hatte keine Angst vor dem Gewitter, im Gegenteil, ich genoss es. Und das ist bis heute so geblieben. Wenn es gewittert, fühle ich mich wohl, es ist die beste Show, die der Himmel zu bieten hat.