Kolumnen

Nach Ferraris Heimsieg: Rote Wunschträume

Es geht schnell zu in der Formel 1. Das mag jetzt noch nicht überraschen, immerhin erreichten die Boliden am Sonntag in Monza mehr als 300 km/h. Gemeint ist hier ausnahmsweise das Tempo, mit dem die Rennserie Stars produziert.

Es ist gerade einmal ein halbes Jahr her, da kündigte die Königsklasse in ihrer Saisonvorschau das Titelduell zwischen Lewis Hamilton und Sebastian Vettel an. Mercedes gegen Ferrari, fünffacher gegen vierfacher Champion – ein fantastisches Drehbuch für eine Saison.

Es bleibt jedoch beim Wunschtraum. Hamilton steuert unaufhaltsam seinem sechsten WM-Titel entgegen, erster Verfolger des Briten ist Teamkollege Valtteri Bottas. Zum großen Duell mit Vettel, der seit mehr als zwölf Monaten sieglos ist, kam es nie. Wird es vielleicht auch nie kommen. Charles Leclerc ist bei Ferrari nicht nur der Mann der Stunde, sondern wohl auch jener der Zukunft. Für die Scuderia zählt seit jeher die Maschine mehr als der Mensch. Für die Italiener ist ein Pilot nicht viel anderes als ein weiterer Teil im Auto. Funktioniert er nicht mehr, wird er ausgetauscht.

Das mussten bereits einige Weltmeister zur Kenntnis nehmen, etwa Alain Prost: "Bei Ferrari siegt oft das Herz über den Verstand. Es ist schwer, in diesem Umfeld die Konzentration hoch zu halten." Charles Leclerc ist der Nächste, der es versuchen darf.