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Lässt Leistungsdruck noch Lücken zum Leben

Was normalerweise in Klassenzimmern gespielt wird, geht derzeit an einigen Tagen über eine der Bühnen im Theaterhaus Dschungel Wien: Das Stück „Ich, Parasit“ des Wiener Klassenzimmertheaters.
Elyas (Onur Çağdaş Şahan) stürmt in den Raum, stoppt ab, als er den vollbesetzten Raum sieht, lächelt verlegen und geht erst wieder voll aus sich heraus, als er – im Theater über die Technikerin – kraftvolle Hip-Hop-Nummern abspielen lässt. Chillen, Leben genießen angesichts nicht gerade rosiger Zukunftsaussichten – der erste Track ist „Hurra, diese Welt geht unter“ von K.I.Z. – strahlt er aus. Da kommt seine Bühnen-Schwester Tara (Zeynep Alan) schon ziemlich genervt herein und beginnt ihn zusammen zu sch... Xie hat extra einen Termin bei der Direktorin organsiert, nachdem er die Schule und eine Lehre abgebrochen hat, um doch noch irgendwie einen Schulabschluss zustande zu bringen.

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Scheint ihm echt ziemlich egal zu sein. Zwischen den beiden Polen pendelt das für die Länge einer Schulstunde konzipierte Stück (Text: Ursula Knoll, Regie: Dana Csapo). In erster Linie lebt es davon, dass das Schauspiel-Duo wirkt, als wären sie in echt diese Figuren, die sie verkörpern, glaubhaft und authentisch. Leistungsdruck, in Frage stellen, was Leistung überhaupt ist, lassen vorgegebene Normen noch Zeit zum Leben? Verantwortung übernehmen – für sich und andere – den Bruder? Und wenn ja, seinetwillen oder um das eigene Seelenheil zu polieren?

Als das Stück konzipiert, geschrieben, geprobt und in drei Dutzend Aufführungen vor Schulklassen gespielt wurde, war übrigens die Frühaufsteher-Debatte, die kürzlich vom Bundeskanzler losgetreten wurde, noch nicht ganz absehbar.

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Lebenslust

Wobei es zum Glück nicht nur durchgängig bei der Schwarz-Weiß-Zeichnung bleibt. Irgendwann ungefähr in der Mitte erinnert sich die „Schwester“ mit Freuden daran, dass sie vom „Bruder“ so etwas wie Lebenslust gelernt hätte. Peinlich und doch geil habe sie es gefunden, frei zu tanzen oder völlig schräge Dinge in Fußgängerzonen oder U-Bahnen zu vollführen – Affen zu spielen, wildfremde Leute anzuquatschen... – genau das machen beide in dieser Szene – und irritieren Teile ihres Publikums.  

Klassenzimmertheaterstücke sind immer so konzipiert, dass eine Schulstunde gespielt und die folgende dann über Stück, Inhalt und die dabei angerissenen Themen, die in diesem Fall vielleicht mitunter mehr Frage- als Zeigefinger-Form vertragen hätten, diskutiert werden.

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Infos: Was? Wer? Wann? Wo?

Ich, Parasit
Wiener Klassenzimmertheater On Stage
ab 14 J., 50 Minuten

Text: Ursula Knoll
Regie: Dana Csapo
Darsteller_innen:
Tara: Zeynep Alan
Elyas: Onur Çağdaş Şahan
Theaterpädagogik: Marianne Dam

Wann & wo?
Bis 23. Jänner 2019
Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier
Telefon: (01) 522 07 20-20
www.dschungelwien.at
http://www.klassenzimmertheater.at

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