Leben/Essen & Trinken

Echte Männer brauchen keinen Griller

Feuer machen und die Hitze des Grills spüren - obwohl längst "Volkssport Nummer 1" hat das Grillen in der Natur immer noch einen Hauch von Ursprünglichkeit, abseits hochglanzpolierter Edelstahlküchen und Teflon-Pfannen. In Klischees gesprochen, es gibt wahrscheinlich keine maskulinere Methode, Essen zu zubereiten als über glühenden Kohlen.

Da wir schon einmal in dieser Schublade sitzen - wer die Worte "ursprünglich" und "archaisch", bezogen auf Essenszubereitung gut und passend findet, sollte sich an den Kochmethoden der Maori in Neuseeland orientieren. Denn hier müssen - bevor man überhaupt einen Gedanken ans Essen verschwenden kann - erst einmal Muskeln beansprucht werden. Wir präsentieren: Der/die/das Hangi. Das Wichtigste dabei: Ein schönes, großes Erdloch.

Auf Blättern, Zweigen und Lavagestein

Bei dieser ursprünglichen, jedoch immer noch angewandten Kochmethode werden Lebensmittel nach dem Prinzip des Erdofens zubereitet. In seiner simpelsten Form handelt es sich dabei einfach um ein Loch im Erdboden, in dem auf heißen Steinen gekocht, gedämpft, gebacken oder geräuchert werden kann.

Bevor man alle Zutaten (Fleisch, Gemüse, Erdäpfel etc.) auf feuchten Tüchern auslegt und einwickelt, werden diese nach Bedarf gewaschen, geschält, zerkleinert und gewürzt. Heutzutage gibt es mehrere "richtige" Arten, einen echten Hangi auszustatten: Traditionell bediente man sich Zweigen und Blättern - in der modernisierten Version werden vermehrt Drahtkörbe und Leinentücher verwendet.
Ist das Loch gegraben, befüllt man es mit vulkanischen Steinen und erhitzt diese, indem man mit Holz ein offenes Feuer in der Grube entfacht. Im Selbstversuch kann es in unseren Breiten möglicherweise schwierig werden, an Vulkangestein zu kommen, alternativ sollte man darauf achten, Granitsteine zu benützen - andere könnten sich bei großer Hitze schon einmal in ihre Bestandteile zerlegen. Nach einer Stunde im Feuer sollte genug Hitze im Gestein gespeichert sein, um fortfahren zu können.

Nichts für den kleinen Hunger zwischendurch

Grundsätzlich gilt: alles was länger garen muss, wie etwa spezielles Gemüse, sollte möglichst tief, also als erstes nach unten in den Hangi. Die verpackten Lebensmittel werden nun in Drahtkörben arrangiert und im Erdloch platziert. Dieser Vorgang muss natürlich schnellstmöglich durchgeführt werden, damit die Hitze in den Steinen nicht verloren geht. Ist alles erledigt, schüttet man den rustikalen Ofen mit Erde zu und - wartet. Je nach Menge des Garguts kann sich das schon mal bis zu fünf Stunden hinziehen. Währenddessen sollte immer wieder ein wenig Dampf als Indikator für den Erfolg des Prozesses aufsteigen.

Ist die Wartezeit dann endlich um, ist auch die Nahrungsaufnahme nicht mehr weit - sofern man im Gruben-Durcheinander ein Stück findet, das einen sozusagen "anlacht". Bei den Maori wird von so einem Hangi übrigens mehrere Tage lang gezehrt, was somit auch für Zeit- und Arbeitsaufwand entschädigt.