Leben/Tiere

Ruhe im Zoo: Sexfaule Pandas nutzen neue Privatsphäre zur Paarung

Es ist – so paradox es klingen mag – ein kleines Corona-Wunder: Seit nunmehr zehn Jahren hofft man im Hongkonger Zoo Ocean Park darauf, dass die dort lebenden Pandas Ying Ying und Le Le für Nachwuchs sorgen.

Wegen der Pandemie musste der Tierpark bereits Ende Jänner seine Tore schließen. Die neu gewonnene Privatsphäre hat das Panda-Pärchen offenbar dazu bewegt, sich näher zu kommen.

Endlich Ruhe

Die Schließung des Zoos fällt praktischerweise in die Paarungszeit der Großen Pandas: Diese dauert von März bis Mai – die sonst einzelgängerischen Tiere finden dann zusammen. Jedoch gelten Pandas gemeinhin als sexfaul, vor allem in Gefangenschaft sind sie oft nicht zur Paarung zu bewegen.

Ying Ying und Le Le zeigten jedenfalls kürzlich liebestolle Anzeichen: Lokalen Medienberichten zufolge verbrachte Weibchen Ying Ying mehr Zeit im Wasser. Männchen Le Le hinterließ mehr Duftmarkierungen im Gehege.

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Paarungs-News im Netz

Auf Instagram veröffentlichte der Tiergarten am Montag Fotos der beiden Pandas, auf dem sie sich umklammern und paaren. "Ying Ying und ihr langjähriger Schatz Le Le haben es heute geschafft, sich auf natürliche Weise zu paaren", hieß es im Beschreibungstext zum Foto. Das veterinärmedizische Team werde nun die körperlichen Veränderungen und das Verhalten des Panda-Weibchens genau überwachen, um eine Trächtigkeit festzustellen: "In der Hoffnung, Ihnen allen wunderbare Schwangerschaftsnachrichten überbringen zu können."

Die Tragzeit beim Großen Panda besteht aus einer unterschiedlich lang dauernden Keimruhe sowie der eigentlichen Entwicklungszeit, die 45 bis 60 Tage beträgt. Im Durchschnitt kommen nach 155 Tagen ein bis zwei Junge zur Welt, wobei das Pandaweibchen im Freiland meist nur für ein Junges sorgen kann.

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Ying Ying und Le Le sind 14 Jahre alt und leben seit 2007 im Ocean Park. Trotz Ermutigung durch die Tierpfleger zeigten sie einen überaus geringen Sexualtrieb, während täglich Horden von Besuchern jede ihrer Bewegungen beobachteten.

Die Tatsache, dass sich die Pandas wohl auch dank des reduzierten Stresslevels endlich paaren konnten, erwähnte man seitens des Zoos nicht. Stattdessen hieß es, der "Erfolg" der Tiere sei auf jahrelanges "Ausprobieren" und die Zusammenarbeit von Experten zurückzuführen.

Lebensraum schützen

Zoologen argumentieren seit geraumer Zeit, dass Pandas lediglich in Gefangenschaft paarungsfaul sind. "Die Probleme, die ihnen oft zugeschrieben werden, kurze Penisse, enge Vagina und geringer Sexualtrieb, sind in freier Wildbahn kein Problem", sagte Jim Harkness, Panda-Experte und ehemaliger WWF-Vertreter für China zum Guardian. Es gelte daher den natürlichen Lebensraum der Pandas zu schützen, anstatt die Population in Zoos zu konservieren.

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