Leben/Reise

Legoland: Im Park der bunten Plastiksteinchen

Lange haben wir uns gedrückt, aber nun steht sie an: Die allererste Reise in ein Familienressort. Das Legoland Pirateninsel Hotel hat neu eröffnet und lädt ein. Die Mädchen? Sind Feuer und Flamme. Der Mann? Liest „Steakhouse“ und „Piraten-Bowling“ und ist schon mit an Bord. Und ich? Habe Zweifel. Schließlich hatte ich als Kind mein eigenes Legoland – neun Quadratmeter „Oberboden“ und gefühlte drei Millionen Legosteine. Ist das zu toppen?

Der erste Eindruck: Wunderschön! Das erste, was wir vom Legoland sehen, ist nämlich ein hochstämmiger, ja erhabener Wald. Sanft umkurvt man ihn, das herrliche Gefühl, in eine andere Welt zu fahren, macht sich breit und dann steht es da: Das Feriendorf samt 26,6 Millionen Euro teurem Pirateninsel Hotel – gemalte Risse auf einem praktisch quadratischen Bau mit aufgepappter Fassade à la Parndorf.

Die Kinder jubeln

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Vor dem Hotel: Ein riesiges Piratenschiff. Die Kinder sind nicht mehr im Auto zu halten. Bis zum Spielplatz schaffen sie es allerdings nicht. Die ersten – für 5-Jährige – lebensgroßen Legofiguren werden begriffen, erklettert, geküsst.

Die Rezeption hat Campingplatz-Flair, gleicht das aber mit super-freundlichen Mitarbeitern aus. Freundlichkeit wird uns hier noch überall begegnen, denn das ist der Merlin Entertainments Group – und dazu gehört der Freizeitpark in Deutschland – wichtig. Etwa im Steak House Restaurant, das auch mit gutem Essen punktet. Für den Park ist es den müden Eltern zu spät, also auf zum Piraten-Bowling. Spaß pur: Man lacht über die innovativen Techniken der Kinder und die unausgefeilten eigenen. Warum machen wir das nicht öfter?

Auf dem Heimweg zum Hotel – mittlerweile ist es dunkel – fällt das erste Mal der Satz: „Ich liebe das Legoland“. Endlich wird das Piratenschiff geentert, aber nur kurz, denn der Regen prasselt, also hinein ins Hotel mit seinen 594 Betten. Eine edle „Holz“-Stiege und die buntesten Tapeten ever empfangen uns. Im Zimmer die nächsten Begeisterungsschreie: Ein Stockbett! Mit je einem Boot als Bett. Wie es sich für echte Piratinnen gehört, entbrennt ein wilder Streit um die obere Etage. Die Rettung steht am Bettende: Eine Box Lego. „Kommt wir bauen eine Stadt“, sagt eine Piratin – mehr braucht es nicht, um aus Feindinnen Verbündete zu machen.

Das Zimmer ist zwar reizüberflutend bunt, aber die Details sind liebevoll: Die Schiffslampen, der Affe, der im Zimmer Bananen versteckt hat und natürlich das Lego aus dem Krebse, Papageien und Fackeln gemacht sind. Das Elternbett ist herrlich bequem, leider schlafe ich nicht lange darinnen: Ein Kind fürchtet sich in der Nacht. „Ob da nicht doch echte Piraten“ im Hotel sind? Also darf Mama ins Schiffchen. Etwas hellhörig, da direkt an der Gangwand, aber durchaus machbar.

Ab in den Park

Der nächste Tag beginnt mit einem Frühstück in der schummrigen Piraten Taverne: Die Plastikfelsen erinnern an Playmobil, aber die Auswahl ist reichlich, die Croissants frisch und auf Wunsch gibt es laktose- oder glutenfreie Produkte. Und jetzt aber: Ab ins Legoland! Der Weg führt durch den eingangs erwähnten Wald und unsere Kinder verschwinden sofort zwischen Farnen und Eschen. Es ist einiges an Rufen nötig, um sie überhaupt in den Vergnügungspark zu bekommen. Einmal drin, verstehen sie – Prater-geübt wie sie sind – das Konzept sofort: Anstellen und fahren. Dazwischen nach Pommes, Eis und Stofftieren betteln.

Für die Eltern gibt es etwas Neues: „Das große Legorennen“ – eine Virtual Reality Achterbahn, Spaß vermischt mit leichter Übelkeit. Das flaue Gefühl will sich auch beim weiteren Parkbummel nicht ganz legen, fällt doch deutlich ins Auge, dass Fahrgeschäfte wie Feriendorf großteils mit männlichen Charakteren aufwarten: Piraten, Ritter, Rennfahrer. Die Lego Friends – pädagogisch ohnehin fraglich – haben keine eigene Attraktion, nur einen Shop. In Sachen zeitgemäße Rollenmuster hat das Legoland, das sich gerne als „edukativ“ präsentiert, definitiv Verbesserungspotenzial.

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Mit etwas Groll im Bauch daher auf zum „Ninjago The Ride“ – denn dort, sagt man uns „gibt es ja eine weibliche Figur“ (neben fünf männlichen Kämpfern). Aber: Es wird der Hit! Die Mädchen schleudern mit wilden Schreien virtuelle Feuerbälle, Luftstöße und Eisfontänen und am nächsten Tag werden wir die große 4D-Schlange noch drei Mal töten. Zum Abschluss kommt die „Piratenschlacht“ und wir lernen: Schilder auf denen steht: „Achtung Sie werden nass“ sind im Legoland ernst zu nehmen. Wir gehen waschelnass zurück ins Feriendorf.

Kulinarische Freuden

Umgezogen und hungrig geht es in die Taverne: Gutes Essen, kinderfreundliche Umgebung – man wundert sich nicht mehr, dass das Feriendorf zum besten Familienhotel Deutschlands gewählt wurde. Das folgende Piraten Minigolf wird für mich der größte Spaß des Trips. Die 7-Jährige führt die Liste und Mama verliert mit über 100 Punkten – aber lachend, während der plötzlich vom Ehrgeiz gepackte Ehemann Spielregeln aufstellt und Strafstöße anordnet.

Am nächsten Tag sind wir schon Legoland Profis und müssen als erstes zum Ninjago-Kampf. Neu entdecken wir das „Affentheater“ mit Zaubershow und den „Wasserspaß“ im Duplo-Land. Und wie bei vielen anderen heißt die letzte Station des Besuchs: Legoland Shop.

Zu Hause wird dann die große Legobox im Wohnzimmer geöffnet: Gefühlte drei Millionen Legosteine verteilen sich auf neun Quadratmetern Teppich. Und da bin ich wieder: In meinem Legoland, deutlich unprofessioneller aufgezogen, aber viel kräftesparender. Auch die Kinder sind schlapp, doch einen Wunsch haben sie vor dem Schlafengehen noch: „Das nächste Mal bleiben wir bitte zwei Wochen im Legoland.“

 

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Info

Anreise  Mit dem Auto ab Wien  bis Günzburg ca.  560 km.  Parkplätze  kosten pro Tag 6 €. Mit der Bahn ab Wien mit Umsteigen in Salzburg braucht man 5:40 Stunden. Zwischen  Bahnhof und  Legoland pendelt regelmäßig ein Bus. Mit dem Flugzeug nach   Stuttgart (1 Std. Autofahrt) oder  München (1,5 Std.  Autofahrt).

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Eintritt Erwachsene zahlen an der Tageskasse 45,50 €, Kinder 40,50 €. Kinder unter 3 Jahren haben freien Eintritt. Jahreskarten gibt es pro Person ab 65 €. Günstigere Angebote gibt es online. W-LAN ist in den öffentlichen Bereichen kostenfrei verfügbar.

Übernachten  Preisbeispiel für ein Wochenende im Juli: Zwei Übernachtung im neuen Pirateninsel Hotel in den Themenzimmern oder einer der Legoland Burgen für zwei Erwachsene mit zwei Kindern über 3 Jahren inkl. Frühstück und Parkeintritten kosten ab 698 €. Das Superior Zimmer für maximal fünf Personen kostet 898 €. Babybetten  10 € extra. Im Eurohotel Günzburg zahlt man für das Paket ab 458 €, für Camping  ab 190 €.

Essen Im neuen Restaurant „Piraten Taverne“ wählt man  ein einheitliches Menü pro Familie,  Preis pro Erwachsener für  3-Gänge: 28,90 €. Kinder von 3 bis 6 Jahren  9,90 €, Kinder von 7 bis 11 Jahren 15,90 €.
–   Im À-la-carte-Restaurant „Zur Tafelrunde“ gibt es Pizza  ab 8,95 €, ritterliche Gerichte wie „Hähnchen von Camelot“ ab 13,95 und Kindergerichte wie „Spaghetti Prinzessin Fiona“ um 7,45 €.
–  Im Dschungel Buffet warten  spezielle Kinderstationen auf Augenhöhe, im Steakhouse kostet das 250 g-Gentlemen Steak 22,95 €.

Extras Spielen auf den acht turniergerechten Bowlingbahnen im Piraten-Look kostet von 17 bis 18 Uhr 18 €, von  18 bis 23 Uhr 22 €/p. Std.  und Bahn. Die Familienkarte (2 Erwachsene, 2 Kinder) für den Hochseilgarten inkl. 6 Parcours mit 42 Elementen für Kinder ab vier Jahren kostet 65 €. Eine Familienkarte Minigolf kostet 19 €.

Barrierefrei Das Feriendorf bietet barrierefreie Zimmer an.  Der Park ist ebenfalls barrierefrei. Im Bedarfsfall  an das Personal der einzelnen Aktivitäten und Attraktionen wenden. Rollstühle sind gegen Pfand am Haupteingang, im Eingangsbereich und im Feriendorf Shop begrenzt verfügbar.

 Auskunft  +49 (0) 180 6 700 757 01, (Mo. – So. 9 – 17 Uhr).
www.legoland.de
E-Mail: info@legoland.de