Leben/Gesellschaft

Von der Studentin in Wien zur Stararchitektin in Los Angeles

Eine Geschichte über eine Stararchitektin in Los Angeles kommt nicht ohne Promi-Aufzählungen aus: Für Schauspieler Chris O’Donnell und TV-Köchin Candace Nelson hat Andrea Lenardin mal eben die hippste Pizzeria in L. A. entworfen.

Dort lässt sich Oscarpreisträgerin Reese Witherspoon zeigen, wie man den perfekten Teig knetet und Celebrities wie Jennifer Garner holen sich ihre „Margherita“ in Corona-Zeiten selbst ab. Als „schönstes Lokal in L. A.“ wurde das „Pizzana“ vom US-Architekturmagazin Domino betitelt.

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Neben Restaurants und Büros gestaltet die gebürtige Badnerin aber auch Villen wie jene von „West Wing“-Schauspielerin Mary McCormack direkt am legendären Mulholland Drive.

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Über andere prominente Klienten muss die 51-Jährige jedoch schweigen. Diskretion ist den millionenschweren Kunden wichtig, die durchaus stolz sein können, wenn ihre Aufträge von der Österreicherin überhaupt angenommen werden.

„Ich muss ständig Anfragen ablehnen. Mir geht es nicht um die Höhe des Budgets, sondern darum, ob wir gemeinsame Visionen haben.“

Als Studentin nach L. A.

Ein Luxus, von dem viele im Architekturbereich nur träumen können. So wie einst auch Lenardin, als sie eine von zig Studentinnen an der Uni für angewandte Kunst in Wien war. Mit einem Schindler-Stipendium des MAK kam sie vor mehr als 20 Jahren schließlich nach Los Angeles – ohne genauen Plan, aber mit sehr viel Leidenschaft für die Bauten von Rudolph Michael Schindler.

Er und Richard Neutra (Ausstellung im Wien Museum nur noch morgen, 20.9.) prägten als emigrierte Österreicher die heute so typisch kalifornische Architektur der Moderne in den 1930er-Jahren. Lenardin kann durchaus als Erbin dieser Altstars gesehen werden.

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Wie einst schon USA-Fan Adolf Loos, der für sie eine der größten Leitfiguren darstellt, gerät auch die Architektin schnell ins Schwärmen über die Stadt der Engel. „Ich bin nach wie vor begeistert von der Stadt. Neben dem konstant guten Wetter und dem fantastischen Licht, gibt sie einem ein unnachahmliches Freiheitsgefühl. Die Leute hier sind vorurteilsfrei wie sonst nirgendwo. Geblieben bin ich aber auch wegen meinem Mann, der Amerikaner ist.“

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Die beiden (ihr Mann ist „Supervising Producer“ von Animationsserien bei Dreamworks) leben mit ihrem 11-jährigen Sohn Hal in einem minimalistisch eingerichteten 50er-Jahre Prachtbau mitten in den Hollywood Hills. Lenardins Studio befindet sich in Gehweite. Um 5 Uhr morgens beginnt sie in der Regel ihren Arbeitstag. „Ich brauche nur vier Stunden Schlaf, das hat Vorteile“, merkt sie im -Interview topfit und ausgeschlafen an.

Durchbruch mit Cupcake-Shop

Wie die Wienerin es geschafft hat, unter harter Konkurrenz in L. A. derart erfolgreich zu werden? „Meine Karriere hat sicher mit „Sprinkles“ richtig gestartet. Wir hatten 2005 die Möglichkeit, eine ganze Welt rund um ein Cupcake-Geschäft zu bauen.“ Neuartige Ideen wie ein Cupcake-Bankomat und das reduziert-durchdachte Design für die weltweit agierende Dessert-Kette wurden nicht nur von Promis wie Oprah Winfrey, Barbra Streisand, Arnold Schwarzenegger oder Katie Holmes gefeiert, es bescherte der Architektin mehr als 20 Design-Awards.

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Mittlerweile ist Lenardin für ihr multidisziplinäres Studio berühmt – bei ihr gibt es alles aus einer Hand. Neben der Architektur sind sie und ihr Team auch für Interieur, Logo, Menükarte, Uniformen der Angestellten, ja sogar für das Geschirr der Lokale verantwortlich.

Für „Pizzana“ und das Edel-Lokal „In Situ“ in San Francisco hat ihr Studio „ALM Project“ eigene Teller designt. Das ganzheitliche Denken hat sie ihren Lehrjahren an der Angewandten in Wien zu verdanken, wie sie gerne anmerkt.

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Tipps fürs Eigenheim

Welche Tipps sie als Expertin fürs Eigenheim hat? „Nicht in Zimmern, sondern Platz denken. Und nicht an die Größe der Fenster, sondern an die Ausblicke und Blickwinkel, die ein Gebäude bietet. Wichtig ist auch die Überlagerung von Funktionen, gerade jetzt wo Arbeit und Leben noch mehr verschmelzen. Und bei Dingen, die man täglich berührt, wie den Fußboden oder Armaturen, würde ich nicht sparen.“

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Sie selbst fühlt sich von japanischer Kultur stark beeinflusst, reist mehrmals im Jahr nach Japan. Außerdem dient ihr das Fliegen als Inspirationsquelle. „Alles aus einer Vogelperspektive und in Flächen zu sehen, lässt einen anders denken.“ Gerade macht sie den Pilotenschein für Privatflugzeuge, in ihrem eigenen Hangar hat sie vor Corona auch gerne große Partys gegeben.

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Möbel nicht wie Socken wechseln

Trotz ihres Erfolgs hält es Lenardin lieber mit Understatement als dem oft übertriebenen Selbstbewusstsein ihrer US-Kollegen. Und noch etwas mag sie nicht, das als typisch Amerikanisch gilt: „Worauf ich allergisch reagiere, ist, wenn Menschen Möbel und Geschirr wie Socken wechseln. Obwohl das im Sinne des amerikanischen Konsumprinzips ist. Man sollte sich für Dinge bewusst entscheiden und mit denen dann leben.“

Zukunft

In Washington D. C. plant sie als Nächstes ihr bisher größtes Projekt – ein zukunftsweisendes und unkonventionelles Bürogebäude. Aber auch auf alte Wurzeln wird sich Andrea Lenardin besinnen – bei einer Reise nach Griechenland will sie mit ihrem Sohn der Antike nachspüren. Innovativ denken und Historie schätzen – zwei Eigenschaften, die die Arbeit der kompromisslosen Architektin nur allzu gut widerspiegeln.