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Großes Finale von ImPulsTanz: Das bieten die letzten Tage bis 7. August!

Poesie, Musik, Tanz und Kunst: Bis 7. August lädt das alljährliche ImPulsTanz Festival alle Tanz- und Kunstinteressierten zum Mitmachen und Zuschauen in Wiens Theater und Museen ein. Wir haben uns die Performances der letzten Woche genauer angeschaut.

Cie. Ivo Dimchev: In Hell with Jesus

In Dimchevs neuer Performance treffen sich sechs Personen in einer Schwulenbar, da kommt ein Typ mit Knarre und knallt alle ab. Als alle zum Liegen gekommen sind, werden „hochbedeutende“ Fragen an die Wand projiziert. Und siehe da: Eine Person nach der anderen erfährt ihre Auferstehung. Die lebenden Toten beginnen, die Fragen – zum Beispiel nach dem Lieblingsmordinstrument oder dem ungeliebtesten Körperteil – zu debattieren. Ob in diesem Grill wohl auch der Erlöser selbst vorbeischaut?

Tickets sind ab sofort auf www.impulstanz.com/performances, unter +43 1 523 55 58-39 und an den Tageskassen erhältlich.

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Trajal Harrell / Schauspielhaus Zürich Dance Ensemble: The Köln Concert

Keith Jarretts meistverkaufte Jazz-Soloplatte aller Zeiten dient seit fast fünfzig Jahren unzähligen Menschen als Soundtrack, in verletzlichen Momenten wie in ekstatischen. Bevor jedoch in dieser berückenden Arbeit von Trajal Harrell, dem Hauschoreografen des Schauspielhaus Zürich, die titelgebende Aufnahme erklingt, ist Joni Mitchells Stimme zu hören. Sie macht in ihrer Zerbrechlichkeit und emotionalen Transparenz, die bis heute ihresgleichen sucht, den Raum auf für die äußerst eleganten sieben TänzerInnen und für ihre Versuche, sich nah zu sein in einer Welt, die auf mehr als eine Weise von Distanz bestimmt ist.

Musikalische Highlights mit Cage und Flamenco

Lenio Kaklea: Sonatas and Interludes

Weil der Musikrevolutionär John Cage in den 1940er Jahren für die beiden afroamerikanischen Choreografinnen Syvilla Fort und Pearl Primus komponiert hat, wollte Lenio Kaklea dieses „Duett mit einem Pianisten“ erarbeiten. Kaklea lässt ihr extrem fein strukturiertes und detailreiches Duett-Solo entstehen, in dem sie selbst lässig bis eckig im schwarzen Motorraddress und in einem roten Leotard tanzt, sich via Video vergrößert und mit den großartigen Pianisten Orlando Bass ebenso miteinbezieht wie den eigenen Schatten. Ein spielerischer, emotionaler, feministischer und körperbetonter Tanz zu einem Meisterwerk der zeitgenössischen Musik.

Israel Galván: Radio Concert

Wer ist imstande, den Flamenco neu zu formulieren, ihn mit Elementen von Cross-Dressing, Stierkampf und den unterschiedlichsten Ritualen aus der Populärkultur bis hin zum Fußball zu untermischen und ihn so ins 21. Jahrhundert zu überführen? Das ist vor allen anderen Israel Galván, überragender Bailaor der Gegenwart, der so ziemlich alles überschreitet, was der guten tradierten Folklore entspricht. Ein perkussives Fest für Tanz- und Musik-Aficionados ist garantiert!

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ImPulsTanz zu Gast im mumok

Philipp Gehmacher: The Slowest Urgency (an environment)

Wenn es darum geht, die Scheinbarkeit mancher Gegensätze als Anregung zu kom­plexerem Denken zu erkennen, dann leben wir gerade in guten Zeiten. Und dieses Stück, das in einer komplett neuen Adaption in einem ganzen Geschoß des Wiener mumok zu sehen ist, wird zum Musterbeispiel dafür. Für ein Plädoyer, Dringlichkeit und Lang­samkeit als zusammengehörig zu sehen, hat Philipp Gehmacher sein einzigartiges Bewegungsvokabular auf sechs TänzerInnen ausgeweitet. In klug ausgefeilten, sinnlich raffinierten Passagen werden die Verhältnisse zwischen Verstehen und dem Drang, in Aktion zu treten, ausgelotet.

Davi Pontes & Wallace Ferreira: Repertório N.2

Nackt stehen Davi Pontes und Wallace Ferreira vor ihrem Publikum und machen einen Gegenvorschlag zur strukturellen und politischen Gewalt, die aus den Vororten Rio de Janeiros scheinbar nicht wegzudenken ist: den Tanz. Der Tanz wird in dieser beein­druckenden Performance, dem zweiten Teil ihrer gemeinsamen Repertório­-Trilogie, zur Selbstverteidigungspraxis und zur neuen Denkweise, die sich bewusst freimacht von der vorherrschenden Ordnung und Einord­nung und der einhergehenden Stigmatisie­rung von Körper und Sein.

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NewcomerInnen der Choreographie

Neben den allzeit beliebten ImPulsTanz Classics gibt es heuer auch wieder einige NewcomerInnen der Choreographie, die einen Besuch wert sind.

Djibril Sall: evening.haiku

Nach einer danceWEB Scholarship im Jahr 2019 kehrt Djibril Sall, im Senegal geborene und in den USA aufgewachsen, mit evening.haiku zu ImPulsTanz zurück, einer nach Sonia Sanchez’ Kollektion Morning Haiku betitelten Performance, die das Publikum zu einem abendlangen Innehalten einlädt. Ausgehend von der Ruhe und Offenheit der traditionellen japanischen Gedichtform des Haikus widmen sich Sall und die grandiose Tänzerin Sointu Pere ihren tiefliegenden, durch Queerfeindlichkeit und Rassismus verursachten Traumata und halten an dem Glauben fest, dass jeder Schmerz mit Fürsorge und Bewusstsein in etwas anderes verwandelt werden kann.

Ana Pi: The Divine Cypher

Recherche, Poesie und Politik zugleich – die brasilianische Choreografin steht im Dialog mit der in Kiew geborenen, 1961 verstorbenen Experimentalfilmemacherin Maya Deren, mit der sie neben ihrem Interesse an der Kultur und Geschichte Haitis auch ihre präzise und innovative Art gemein hat, mithilfe des Me­diums Film die Vergangenheit lebendig zu halten und uns den Blick für die Gegenwart zu öffnen.

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Von Dance Battles bis Workshops

Neben den musikalischen und künstlerischen Highlights gibt es auch noch ein spannendes ImPulsTanz Begleitprogramm, das von Dance Battles bis hin zu Buchpräsentationen mit vielen Programmpunkten aufwartet. Empfehlenswerte Fixpunkte: Die ImPulsTanz Party im Kasino am Schwarzenbergplatz am 5. August, ab 22 Uhr mit Sicaria Sound (live), Andaka & That Good Ẅibe Collective und das Dance Battle Flavourama Pre-Selection im Workshop-Zentrum Arsenal am 6. August um 18 Uhr.

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