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Kapitalmarkt: Die Zukunft hat begonnen

„Prognosen sind eine schwierige Sache, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen“, meinte schon Mark Twain.

Gemeinsam mit Vertretern unserer elf ausgewählten Fondspartner haben wir in unserer dreiteiligen Eventserie Investment-Lounge, an der unsere Kundinnen und Kunden online teilnehmen konnten, jene Themen diskutiert, die in den nächsten Jahren das Kapitalmarktgeschehen bestimmen werden..

Susanne Müller-Taborsky, Leiterin des Bank Austria Premium Banking:

Hierbei haben sich große Investmenttrends herauskristallisiert.

Inflation steigt

Das Börsenjahr 2021 war fulminant. Nicht nur die Indizes in Europa, sondern auch in den USA eilten von Rekordhoch zu Rekordhoch. Das Jahr 2021 wird wohl als überaus erfolgreiches Jahr für Börsengänge zu Ende gehen, per Ende September wagten allein in den USA mehr als 400 Unternehmen den Sprung aufs Börseparkett.

Zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung resultieren aus dem privaten Konsum, und dieser wird auch im nächsten Jahr auf einem hohen Niveau bleiben.

Monika Rosen-Philipp, Chefanalystin der Bank Austria

Doch Lieferengpässe, Facharbeitermangel und steigende Rohstoffpreise haben zu einer deutlich gestiegenen Inflation geführt. Die Experten sind sich einig, dass diese bis Mitte des nächsten Jahres weiter ansteigen wird, sich aber in Europa mittelfristig auf 2 bis 2,5 Prozent einpendeln sollte. Rosen-Philipp: „Die Pandemie hat die Schuldenberge der Staaten wachsen lassen, und diese werden nun auch mit Hilfe der Inflation wieder abgebaut.“

Leitzinsen bleiben tief

Trotz einer gestiegenen Inflationsrate gehen die Experten davon aus, dass die Nullzinspolitik in der Eurozone auch 2022 weiter fortgesetzt werden wird. Die EZB wird ihr Anleihenkaufprogramm PEPP im März 2022 wahrscheinlich auslaufen lassen. Welche Maßnahmen sie danach ergreifen wird, darüber könnte sie bei der Dezember- Sitzung Näheres bekannt geben. In den USA zeichnet sich eine Beschleunigung der Neutralisierung der Geldpolitik ab, und die Zinswende wird früher als in Europa erwartet. Hier könnten schon 2022 die ersten Schritte gesetzt werden. „Das monetäre Umfeld bleibt weiterhin unterstützend. Die Anpassung der Geldpolitik wird Schritt für Schritt erfolgen, sodass die Wirtschaft und die Finanzmärkte die Auswirkungen verkraften werden“, so Rosen-Philipp.

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Verantwortungsvolle Unternehmensführung und soziale Verantwortung werden wichtiger.

Susanne Müller-Taborsky, UniCredit Bank Austria

Digitalisierungsschub

Die Coronakrise hat den Technologieboom in den vergangenen zwei Jahren verstärkt, und die Aktien der Tech-Unternehmen sind mittlerweile sehr hoch bewertet. Kein Wunder, denn auf der ganzen Welt hat die Corona-Pandemie auch einen großen Digitalisierungsschub mit sich gebracht. Internet-Shopping beispielsweise boomt, und die Generation der Millennials hat in der ersten Lockdown-Phase 2020 um 33 Prozent mehr online ausgegeben als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Home-Office ist gekommen, um zu bleiben. E-Health-Services verzeichnen eine enorme Nachfrage, und dieser Markt wird in den nächsten sechs Jahren von 100 auf 600 Milliarden US-Dollar anwachsen. Beim Thema Block-Chain ist das Wachstum noch viel größer. Rosen-Philipp: „Der vermehrte Einzug der Technologie in alle unsere Lebensbereiche war noch nie so er-lebbar wie seit Beginn der Pandemie und diese Entwicklung hat auch den Tech-Unternehmen an den Börsen einen riesigen Schub gegeben.“ An der Börse zeichnet sich zunehmend ein Wechselspiel zwischen „New“ und „Old Economy“ ab. Wenn eine neue Meldung in Zusammenhang mit Corona die Marktteilnehmer erschreckt, steigen die sogenannten „stay at home stocks“. Wenn aber eine Rückkehr ins normale Leben mit menschlicher Interaktion angesagt ist, dann schlägt die Stunde von unterbewerteten Titeln, wie etwa aus der Tourismusbranche. Während Tech-Aktien schon teuer sind, gibt es noch viele krisengebeutelte Substanzunternehmen, die nun wieder großes Kurspotenzial haben.

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Kampf gegen Klimakrise

Nachhaltigkeit und Klimaschutz bleiben zentrale Zukunftsthemen. Dabei schließen sich Ökologie und Ökonomie nicht aus, im Gegenteil: Zahlreiche Studien belegen, dass „nachhaltige“ Unternehmen, die sich an ESG-Grundsätze halten, an der Börse besser oder zumindest gleich gut abschneiden, wie Unternehmen ohne Nachhaltigkeitsansatz. Müller-Taborsky: „Hier hat Europa in den vergangenen Jahren bereits sehr viel richtig gemacht. Aber auch die USA sind auf den Nachhaltigkeitszug aufgesprungen und wollen bis zum Jahr 2050 CO2-neutral sein.“ Die CO2-Reduktion der weltweiten Wirtschaft wird die Unternehmen sehr viel Geld kosten – eine Investition, die sich lohnt, denn sowohl Konsumentinnen und Konsumenten als auch Investorinnen und Investoren legen immer mehr Wert darauf, dass sich Unternehmen auch für den Umwelt- und Klimaschutz engagieren. Von diesem Trend profitieren auch die asiatischen Märkte, denn bei vielen Produkten wie etwa Solarpaneelen sind Länder wie China oder Indien Vorreiter und verfügen über großes Know-how. Doch Nachhaltigkeit (ESG) umfasst nicht nur den Klima- und Umweltschutz (E), sondern auch Soziales (S) und Unternehmensführung (G). Müller-Taborsky: „Verantwortungsvolle Unternehmensführung, die sogenannte Governance und soziale Verantwortung werden neben dem Klimaschutz in Zukunft immer wichtiger. Wir sehen, dass uns das Thema der Nachhaligkeit neue Chancen eröffnet. Mit nachhaltigen Investments haben Privatanleger großen Einfluss, denn das Kapital das sie in z.B. nachhaltige Fonds investieren, fließt in ausgewählte „grüne“ Unternehmen und kann so zu einem höheren Umweltschutz und sozialen Standards beitragen.“

Der rote Drache

Digitalisierung, Innovation und der Klimawandel können ohne den globalen Player China heute nicht mehr verhandelt werden. In diesem Wettstreit der Supermächte kann Europa aber nur mitspielen, wenn es ausreichend wirtschaftliche Stärke und Innovationskraft zeigt. Zudem ist China mit einem Startvorteil aus der Pandemie hinausgegangen. China war zwar das Epizentrum der Krise im Jahr 2020, hat aber als einzige große Volkswirtschaft im Vorjahr ein positives Wachstum geschafft. Heuer sieht die Entwicklung in China, und in den Schwellenmärkten insgesamt, nicht ganz so rosig aus. Die asiatischen Märkte sind noch immer in den Fondsportfolios und Indizes unterrepräsentiert. Rosen-Philipp: „Es ist davon auszugehen, dass es hier in den nächsten Jahren zu einer sukzessiven Anpassung kommen wird.“

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