Chronik/Wien

Was der Brexit für die Frankenkredite Wiens bedeutet

Der Ausstieg Großbritanniens aus der EU könnte auch die Stadtfinanzen unter Druck bringen. Denn nach dem Brexit rutschte die britische Pfund tief nach unten – der Schweizer Franken stieg im Vergleich zum Euro am Montag stark an, da viele Anleger sichere Häfen suchten.

Damit wurden mit einem Schlag die Kreditschulden Wiens höher. Denn die Stadt hat Verbindlichkeiten von 1,99 Milliarden Schweizer Franken. Diese sollen schrittweise bis 2020 in Euro-Darlehen umgewandelt werden.

Am Montag nach dem Brexit stieg der Schuldenstand in Euro gleich um 17 Millionen an, bevor die Schweizer Nationalbank gegensteuerte und den Kurs durch massive Devisenankäufe wieder drückte. Mittlerweile ist der Frankenkurs wieder auf dem Niveau des Jahresbeginns, als die Stadt den Ausstieg beschloss.

Die FPÖ fordert nun einmal mehr den sofortigen Ausstieg aus den Frankenkrediten, um jedes weitere Risiko auszuschließen. "Hätten wir – wie von der FPÖ gestern gefordert – die Schweizer Frankenkredite am Montag auf einen Schlag zurückgeführt, hätte Wien dadurch 17 Millionen Euro verloren", kontert SPÖ-Gemeinderätin Tanja Wehsely. Die Stadt halte am Ausstieg bis 2020 fest.

Unsichere Zeiten

Allerdings könnte das auch die Kredite verteuern. Denn angesichts der unsicheren Lage in Europa ist ein langfristiges Steigen des Franken nicht auszuschließen. Zudem mit einem stärken Franken nicht nur der Schuldenstand steigt, sondern auch die Zinsen die Wien für die Kredite zahlen muss. Die Stadt spekuliert also bis 2020 weiter auf eine Erholung des Frankenkurses. Mit dem Risiko, dass es auch in die andere Richtung gehen kann. Ein Risiko, dass durch den Brexit gestiegen ist.