Chronik/Wien

Stadtrechnungshof kritisiert Prämienvergabe

1,59 Millionen Euro pro Jahr zahlt die Wien Holding an ihre Mitarbeiter als Prämien aus. Und das ziemlich freihändig, wie der Stadtrechnungshof in einem aktuellen Bericht kritisiert. Er hat für den Zeitraum 2008 bis 2013 den Großkonzern unter die Lupe genommen, der die Beteiligungen der Stadt Wien verwaltet. Darunter etwa der Hafen, die Vereinigten Bühnen Wien oder das Jüdische Museum.

Dabei fanden die Prüfer unzählige Ungereimtheiten. Zum Beispiel im Geschäftsfeld Immobilienmanagement: Hier wurden bereits im Jänner 2013 Prämien ausbezahlt, obwohl die Evaluierung der Zielvereinbarungen erst im darauffolgenden Juni stattfand. Mit anderen Worten: Man wusste noch gar nicht, ob die Mitarbeiter die Sonderzahlung auch tatsächlich verdienen.

Ziel verfehlt, trotzdem Prämie

In einem anderen Fall bekam ein Projektverantwortlicher eine Prämie für die Erreichung eines Projekt-Teilziels bezahlt, das nie erreicht wurde – weil das Projekt von der Wien Holding gestoppt wurde.

Auch im Geschäftsfeld Kultur- und Veranstaltungsmanagement flossen die Prämien überaus großzügig. Beispielsweise für die Führung von Mitarbeiter-Orientierungsgesprächen oder die fristgerechte Abgabe von Controlling-Kennziffern. Aufgaben, die für den Rechnungshof nichts weiter sind als die „normale Tätigkeit einer Geschäftsführung“.

Die Opposition schäumt: „Der Bericht offenbart eine skandalöse, skrupellose Selbstbedienungsmentalität. Es müssen Konsequenzen folgen“, fordert FPÖ-Gemeinderat Dietbert Kowarik.

Diese gelobt man im Büro der zuständigen Stadträtin Renate Brauner (SPÖ): „Wir schließen aus dem Bericht, dass die Wien Holding Handlungsbedarf hat, was die Regeln für die Zuerkennung von Prämien anbelangt. Wir erwarten uns, dass die Empfehlungen des Stadtrechnungshofs umgesetzt werden.“

Das habe man auch vor, betont ein Sprecher der Wien Holding. Erste Schritte für ein durchgängiges und transparenteres Prämiensystem habe man schon in den vergangenen Jahren gesetzt. Lieber verweist man freilich auf die positiven Seiten des Berichts: „Er hat gezeigt, dass das Prämiensystem um ein Drittel günstiger ist als in der privaten Wirtschaft.“