Chronik/Wien

Schlussstein für die Mariahilfer Straße

Es ist vollbracht. Rechtzeitig vor der Wahl im Oktober wird das wohl umstrittenste Projekt der rot-grünen Koalition fertiggestellt. Am 31. Juli lädt Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou zur Schlussstein-Legung in die neu gestaltete Mariahilfer Straße. Sie wurde in den vergangenen Monaten zur Fußgänger- und Begegnungszone umgebaut. Am 1. August findet das Eröffnungsfest statt, bei dem die Makemakes auftreten. Zeit für eine Bilanz.

Hält der Zeit- und Kostenrahmen?

"Zum Baubeginn im Mai 2014 haben wir den 31. Juli als Fertigstellungstermin angepeilt. Wir haben also eine Punktlandung hingelegt. Bei Projekten in dieser Größenordnung ist das keine Selbstverständlichkeit", freut sich Projektkoordinator Peter Lux. Mehr noch: "Die veranschlagten Baukosten von 25 Millionen Euro werden unterschritten." Die genaue Differenz stehe noch nicht fest, "es ist aber jedenfalls ein ansehnlicher Betrag", betont Lux.

Funktioniert das Verkehrskonzept?

Anders als zu Beginn nutzen die Passaten (vor allem an den Wochenenden) zunehmend auch die Straßenmitte. Viele Radler halten sich aber immer noch nicht an die vorgeschriebene Schrittgeschwindigkeit in der Fußgängerzone. "Die Beschwerden sind aber weniger geworden", sagt Nikolaus Authried vom ÖAMTC. Er kritisiert die Einbahnregelung in den Seitengassen: "Vor allem Ortsunkundige sind dort wie in einem Labyrinth unterwegs. Das konterkariert die Idee der Verkehrsberuhigung." Authried bemängelt auch den Wegfall von rund 300 Parkplätzen. Zumindest in der Nacht sollten wenigstens die Anrainer in der Mariahilfer Straße parken dürfen. "Zudem sollte eine weitere Querung geöffnet werden."

Bilder der neuen Mahü:

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Wie hat sich der Umbau auf die Betriebe und Geschäfte ausgewirkt?

Auch hier fällt die Bilanz zwiespältig aus: "Gewinner sind Kleinunternehmer mit Textilien und die Gastronomie, die jetzt mehr Platz für Schanigärten hat", sagt Erwin Pellet von der Wirtschaftskammer. "Verlierer sind Geschäfte, die Produkte verkaufen, für deren Abtransport man ein Auto braucht – etwa der Elektrohandel." Generell gebe es für die Betriebe durch die neue Verkehrsgestaltung noch Probleme bei der Anlieferung, auch die Parkgaragen würden leiden.

Ist noch mit Routen-Änderungen der Buslinie 13A zu rechnen?

Zunächst war geplant, den 13A in Richtung Alser Straße durch die Fußgängerzone zu führen. Nach massiven Sicherheitsbedenken der Busfahrer wurde die Route verlegt. Derzeit fährt der Bus zwischen Capistrangasse und Kirchengasse durch die Begegnungszone. Hier ist nach Abschluss der Bauarbeiten mit mehr Fußgängern auf der Fahrbahn zu rechnen. "Wir werden sehen, was letztlich auf diesem Abschnitt los sein wird. Grundsätzlich ist es aber für uns einfacher, durch die Begegnungs- statt durch die Fußgängerzone zu fahren", sagt Leopold Wurm, Betriebsrat bei den Wiener Linien. "Sollte es zu Problemen kommen, werden wir handeln müssen."

Herbst 2010: Die Errichtung der Fußgängerzone wird im rot-grünen Regierungsprogramm festgelegt.

Oktober 2012: Nach Dialogveranstaltungen, bei denen Bürger ihre Ideen einbringen können, und einer Detailplanung wird das Konzept präsentiert. Es sieht eine Fußgänger- und zwei Begegnungszonen vor. Von Anrainern, Opposition und Wirtschaftskammer kommt massive Kritik an der Verkehrsplanung auf der MaHü selbst und in den Seitengassen.

Februar 2013: Anrainer sprechen sich in einer Befragung für verkehrsberuhigte Querungen aus.

16. August 2013: Der Testbetrieb beginnt. Nach Sicherheitsbedenken und Protesten der Busfahrer muss die Linienführung des 13A mehrmals geändert werden. Anrainer protestieren gegen die neue Route.

7. März 2014: In einer Bürgerbefragung spricht sich eine denkbar knappe Mehrheit von 53,2 Prozent der Anrainer für die Verkehrsberuhigung aus.

19. Mai 2014: Start der Bauarbeiten zur endgültigen Umgestaltung.

14. November 2014: Die erste Bauphase ist abgeschlossen. Zwei Drittel der „MaHü neu“ sind somit fertiggestellt.

31. Juli 2015: Mit der Schlussstein-Legung ist auch der restliche Abschnitt fertig.