Chronik/Wien

Falsche Diagnose ist "kalkulierbares Risiko"

Die Geschichte die Annemarie Krichi dem KURIER erzählte, erregte viel Aufmerksamkeit. Die Wienerin wurde durch ein Medikament spielsüchtig und verlor fast ihr gesamtes Hab und Gut. Die Arznei "Sifrol" ist ein gängiges Medikament, um Parkinson und das sogenannte Restless-Legs-Syndrom (RLS) zu behandeln, bei dem Betroffene ständig ein unangenehmes Gefühl in den Beinen verspüren.

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Viele Leser, denen es ähnlich ging, meldeten sich, darunter auch Brigitte L.(Bild)aus Wien. Ihr Leidensweg begann im Jahr 2000, als erstmals RLS-Symptome bei ihr auftraten. Sie recherchierte im Internet und konsultierte eine Neurologin, um die Ursache für das Syndrom zu finden. Es folgten unzählige Untersuchungen, bei denen die Neurologin die Krankheit Mitochondriale Polyneuropathie als Ursache feststellten – eine fatale Fehldiagnose. Tatsächlicher Auslöser für das RLS war ein simpler Bandscheibenvorfall.

Der Fehldiagnose folgte eine falsche Behandlung, dadurch entstand eine irreparable Schädigung des Rückenmarks, dass das RLS verschlimmert. Jahrelang fand Brigitte L. keine Linderung. Erst bei einem Aufenthalt im AKH wurde sie schließlich von einen Neurologen behandelt, der ihr das Medikament Sifrol verabreichte. Die Symptome waren sofort gelindert und es schien, als hätte L. das Restless-Legs-Syndrom endlich im Griff.

Rechtlich keine Chance

Kurz darauf begann sie aber unter Kaufsucht und im Jahr 2008 dann auch unter Spielsucht zu leiden – beides Folgen des Medikaments. Alle Therapien, auch wochenlange stationäre Aufenthalte, brachten keine Lösung. "Ich habe Schulden, die ich noch jahrelang abbezahlen muss", erzählt Frau L.

Brigitte L. wollte ihr Schicksal aber nicht einfach hinnehmen und zog gegen die Ärztin, die die Fehldiagnose stellte, vor Gericht. "Ich habe fünf Jahre für mein Recht gekämpft, aber am Schluss den Prozess verloren" Die Begründung: "Eine Fehldiagnose ist ein kalkulierbares Risiko, mit dem man rechnen muss, wenn man zum Arzt geht."

Die Spielsucht hat Brigitte L. nach wie vor nicht besiegt: "Es kostet enorme Kraft zu widerstehen, was nicht immer gelingt."