Chronik/Wien

Jeden zweiten Tag ein Stromausfall in Wien

Im Kontrollraum der Wien Energie Stromnetz sind alle wichtigen Stromleitungen an einer großen Wand mit bunten Linien nachgezeichnet. Dazwischen stecken kleine Lämpchen: grün, gelb, rot. Wenn das rote Licht anfängt zu blinken, hat Friedrich Schmidt ein Problem.

Schmidt ist Betriebsführer im sogenannten Lastverteiler. Im vierten Stock der Zentrale in der Mariannengasse 4 wachen er und seine Kollegen über das gesamte Wiener Stromnetz.

Ausfälle

Zuletzt häuften sich die Stromausfälle. Im Juni gab es drei Ausfälle in Brigittenau, Floridsdorf und Donaustadt. Am 2. Juli waren große Teile von Hernals, Währing und Döbling ohne Strom. Bisheriger Höhepunkt war Anfang der Woche der Ausfall von drei 10.000-Volt-Leitungen im Umspannwerk Michelbeuern. Während die betroffenen Wohnhäuser im 18. Bezirk rasch über andere Leitungen versorgt werden konnten, hatte die Panne für die U6 gröbere Auswirkungen. Sie musste Montag im Notbetrieb fahren.

Im Sommer häufen sich generell die Stromausfälle. Der Boden ist wärmer, die Hitze eines bereits beschädigten Kabels kann nicht so gut abgeleitet werden. „Experten vermuten auch, dass Klimageräte die Leitungen belasten und schneller altern lassen“, sagt Stromnetz-Sprecher Christian Neubauer. Dennoch: „Seit 2007 sind die Störungen um 30 Prozent zurückgegangen.“ Derzeit habe man im Schnitt alle zwei Tage eine Störung. „Die meisten betreffen wenige Haushalte und können in ein bis zwei Stunden behoben werden“, sagt Neubauer.

Im Kontrollraum kennt man einen Verursacher: „Unser natürlicher Feind ist der Bagger“, sagt Schmidt und grinst. Immer öfter werden bei Bauarbeiten Erdkabel durchtrennt. In einer Sekunde ist dann ein Viertel ohne Strom. Ein Einsatzteam muss ausrücken und den Schaden beheben. „Wir bieten den Baufirmen an, vorab zu zeigen, wo unsere Kabel liegen“, sagt Neubauer. „Aber viele nehmen sich die Zeit dafür nicht.“ Auch Gewitter oder Schneemassen im Winter können die Betriebsführer vor Herausforderungen stellen. Wenn ein Ausfall passiert, sei das Wichtigste die Routine, sagt Schmidt: „Man muss schnell, aber kontrolliert handeln.“