Chronik/Wien

Hoffen auf den Kundenansturm

Am Samstag ist es wieder so weit. Tausende werden sich über die Mariahilfer Straße schieben, um die ersten Weihnachtsgeschenke zu besorgen.

Die Geschäftsleute erhoffen sich nach der langen Umbauphase durch die neu eröffnete Begegnungszone zusätzlich Kunden. Selbst im noch nicht umgebauten Teil der Straße ist die Stimmung positiv. Damit die Leute ungestört einkaufen können, wird die Mariahilfer Straße an den Adventsamstagen wieder gänzlich auto- und radfrei sein, der 13A fährt zweigeteilt.

Dass eine neue Straße noch keine neuen Kunden bringt, weiß man aber auch im Traditionskaufhaus Gerngross. Kaufhausleiter Günther Meier hat daher spezielle Angebote – wie eine Kinderbastelstube, den Besuch eines Weihnachtsmannes und reduzierte Preise auf ausgewählte Taschen oder Schuhe – im Programm.

Insgesamt rechnet der Wiener Einzelhandel mit rund 345 Millionen Euro Umsatz im Dezember. Das sind 1,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Gründe dafür sind eine schwächere Konjunktur und eine zurückhaltende Konsumentwicklung. Und um dem Stress am Einkaufssamstag zu entgehen, haben immerhin 22 Prozent der Wiener einzelne Präsente bereits im Oktober besorgt.

Impressionen von der neuen Mariahilfer Straße:

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Mit Masche

In Zeiten von Konjunkturschwäche und stets geöffneten Onlineshops müssen Unternehmer daher aus der Masse hervorstechen. Etwa mit einer Masche. Seit Donnerstagabend strahlt eine rote, fünf Meter hohe und fünf Meter breite, mit 25.000 LEDs ausgestattete Masche über dem Eingang des Modehauses "Popp & Kretschmer" auf der Kärntner Straße. Sie ist eine der auffälligsten Weihnachtsdekorationen in der Innenstadt.

Geschäftsführer Rainer Trefelik erinnert sie daran, dass es wieder losgeht. Neben Weihnachtsdeko brauche es auch ein entsprechender Service. Das beginnt beim "Glaserl Sekt" und endet "klarerweise" bei der kompetenten Beratung. Daher fürchtet Trefelik auch den Online-Handel nicht wirklich. "Die Menschen wollen anfassen und beraten werden." Die Rabattmethode kann Trefelik nicht gutheißen: "Winterschlussverkauf heißt es üblicherweise – und wird es bei uns auch bleiben." Gesenkte Preise gibt es hier erst ab 7. Jänner. Statt Rabattschlachten würde sich Trefelik Sonntagsöffnungen wünschen: "Das Geschäft muss offen sein, wenn die Leute da sind." Und das sei in Tourismuszonen eben auch am Sonntag so.

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Genauso sieht das Philipp Pelz vom Innenstadt-Juwelier Wempe. Für Schmuckgeschäfte ist das Weihnachtsgeschäft immer noch besonders wichtig. Ebenso wie im Spielzeughandel macht der Umsatz im Dezember etwa zwölf Prozent des Jahresumsatzes aus. Deshalb holt Philipp Pelz für diese Zeit alle Jahre wieder seine Spezialpraktikantin ins Geschäft: seine Mutter.

Neue Shops

Kundenzustrom durch Neuheiten erhofft man sich auch ein wenig weiter im Norden, im Donauzentrum. Denn: "Die Konkurrenz schläft nicht." Die SCN wird umgebaut; der Hauptbahnhof besticht mit neuen Geschäften. Um mithalten zu können, muss man den Kunden etwas bieten.

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Center-Manager Matthias Franta listet auf: Gap ist mit seinem einzigen Shop in Österreich vertreten. Superdry hat kürzlich eröffnet und die Kaffeemarke Nespresso ist hier erstmals in einem Einkaufszentrum vertreten. So hofft Franta jedenfalls, seine 3000 Parkplätze zu füllen.

Weihnachtsgeschäft in Zahlen

Ausgaben: Im Schnitt gibt jeder Wiener 350 Euro für Geschenke aus, sagt die Wirtschaftskammer. Männer sind mit 360 Euro etwas spendierfreudiger als die Frauen (340 Euro).

Bücher als Renner: Insgesamt werden heuer rund zehn Millionen Packerl unter den Wiener Christbäumen liegen. Bücher bleiben das beliebteste Geschenk – 56 Prozent der Käufer entscheiden sich dafür.