Chronik/Wien

Gestandener Roter wird Häupls neuer "Kettenhund"

Ein Jahr vor der Wien-Wahl hat die SPÖ ihren neuen Parteimanager gefunden: Georg Niedermühlbichler (48) soll 2015 den Weg zur Absoluten ebnen. Damit hat sich Bürgermeister Michael Häupl für einen gestandenen Roten aus der SPÖ-Gemeinderatsriege entschieden. Von ihm erwartet sich Häupl jetzt mehr Mobilisierungskraft. Zum Jobprofil gehört aber auch handfeste Politik: "Der neue Parteisekretär muss einer sein, der die Blauen ins Wadl beißt", sagte zuletzt ein Parteikollege.

KURIER: Herr Parteisekretär, wie sehen Sie HC Strache und Johann Gudenus von der FPÖ?

Georg Niedermühlbichler: Bei Strache fällt mir lediglich seine Feiertätigkeit auf. Gudenus ist nur sein verlängerter Arm in Wien. Die politischen Aussagen sind aber immer die gleichen. Die FPÖ macht Politik auf dem Rücken der Schwachen und schafft es nicht, eigene Konzepte vorzustellen.

Bei der EU-Wahl hat die SPÖ innerhalb des Gürtels Wähler an die Grünen verloren, in den Außenbezirken an die Blauen. Brauchen Sie bei der Wien-Wahl zwei Strategien, um gegen Grün und Blau zu bestehen?

Ich glaube wir brauchen eine Strategie. Die Menschen müssen sehen, dass die SPÖ die einzige Kraft ist, die in Wien tatsächlich aktiv gestalten kann. Ich glaube nicht, dass eine Doppelstrategie funktioniert, bei der ich in den Außenbezirken etwas anderes erzähle als in den Innenbezirken.

Also eine Strategie für Wien und die SPÖ. Wie sieht die aus?

Wir werden einerseits aufzeigen, was wir für diese Stadt geleistet haben. Ein Bürgermeister der seit 20 Jahren in dieser Stadt regiert, hat eine Bilanz, die sich sehen lassen kann.

Darum kann man sich in der Zukunft wenig kaufen.

Daher ist es wichtig, an die Zukunft zu denken. Wien wächst und wird 2030 zwei Millionen Einwohner haben. Wir müssen Strategien entwickeln, wie wir vor allem Beschäftigung schaffen können.

Wie will das die SPÖ schaffen?

Wir wollen eine Stadt der Wissenschaft. Hier steht Bürgermeister Häupl wie kein anderer dafür, dass Wien eine Stadt des Fortschritts ist.

Bürgermeister Häupl gab das Wahlziel aus, die Absolute zu holen. Politologen sagen, das sei sehr ambitioniert.

Es ist ambitioniert, aber dafür sind wir ja da. Aber ich glaube, dass man ein Jahr vor der Wahl nicht sagen kann, wie die Wahl ausgeht. Heute zu sagen, wir sind bei 40 Prozent ist Kaffeesudleserei.

Bei der letzten EU-Wahl konnte die SPÖ ihre Wähler nicht mobilisieren. Wie wollen Sie die Genossen motivieren, noch mehr für die Partei zu rennen?

Grundsätzlich ist es ein Unterschied ob wir eine Wien-Wahl schlagen oder eine Europawahl, wo die Wahlbeteiligung generell gering ist. Das lässt sich nicht vergleichen. Wir werden aber ganz stark drauf achten, hervorzustreichen, was Wien so lebenswert gemacht hat.

Muss der Parteimanager mit den Genossen in den Gemeindebau gehen, oder vom Schreibtisch die Linie vorgeben?

Der Parteisekretär und alle Parteimitarbeiter müssen sein, wo die Menschen sind. Ich bin jemand, der nicht gern hinter dem Schreibtisch sitzt. Ich bewege mich gern auf die Menschen zu. Man wird mich daher in ganz Wien sehen und vor allem in den Bezirken, bei den Menschen, die sich für uns einsetzten.

Ein Roter aus Tirol

Georg Niedermühlbichler wurde am 16. Februar 1966 in Söll in Tirol geboren. Er ist seit 1983 Parteimitglied der SPÖ.

Erste politische Schritte

Nach seiner Übersiedelung nach Wien begann er seine politische Karriere 1984 als Vorsitzender der Sozialistischen Jugend Innere Stadt. 1996 wurde er Bezirksrat.

Aufstieg

Von 1998 bis 2006 war er Bezirksgeschäftsführer der SPÖ Innere Stadt. Von 2001 bis 2005 war er stv. Bezirksvorsteher.

Experte im Wohnrecht

2006 wechselte er in den Wiener Gemeinderat. 2007 übernahm er die Funktion des Bundessekretärs der Mietervereinigung und wurde 2008 zum Präsidenten gewählt.