Chronik/Österreich

„Wein des Vergessens“ führt zum Erinnern

Die Aufregung nach Berichten über ein Buch, das die Arisierungs-Vergangenheit der Genossenschaft „Winzer Krems“ zum Thema hat, war groß. Auch, weil die Geschäftsleitung anfangs jede Beschäftigung mit dem Thema ablehnte. Nun aber hat der Vorstand beschlossen, die Vergangenheit der Genossenschaft aufzuarbeiten. Als symbolischen Akt dazu empfingen die Winzer Krems am Donnerstag Anita Robitschek, die Nichte des Weinhändlers Paul Robitschek, der 1938 Weingut und Keller unter Zwang abgeben musste – als wirtschaftliche Grundlage für die frisch gegründete Genossenschaft.

Bewegend

Für die 71-jährige Anita Robitschek, die in Caracas, der Hauptstadt von Venezuela, lebt, war der Besuch ein bewegendes Erlebnis. Besonders, als Geschäftsführer Franz Ehrenleitner ihr ein Dokument überreichte, in dem sich die Genossenschaft verpflichtet, das Andenken ihres Onkels in Ehren zu halten. Obmann Franz Bauer bekräftigte diesen Entschluss, der im Vorstand einstimmig gefallen war.

Wie berichtet hatte Bernhard Herrman, ein weiterer Verwandter Robitscheks, im Familienbesitz Unterlagen über die damaligen Vorgänge gefunden. Die Dokumente und privaten Briefe geben unter anderem Auskunft über die emotionale Situation Robitscheks, der flüchten musste. Und über das Schicksal seines Geschäfts- und Lebenspartners August Rieger, der wegen seiner Homosexualität mehrere Monate im Gefängnis saß.

Gemeinsam mit dem Historiker Robert Steibel, der die NS-Vergangenheit der Stadt Krems und das Schicksal ihrer Juden in mehreren Büchern aufgearbeitet hat, recherchierte Herrman weiter. So entstand der dokumentarische Roman „Der Wein des Vergessens“. Die Genossenschaft hat inzwischen, wie berichtet, die ehemalige Leiterin des Dokumentationszentrums, Brigitte Bailer-Galanda, als Beraterin engagiert, um ihre Geschichte aufzuarbeiten. Geschäftsführer Ehrenleitner gibt zu, anfangs falsch reagiert zu haben und versichert, Klarheit schaffen zu wollen.