Chronik/Österreich

Mordfall Krenn: Verdächtige Frau festgenommen

In den Ermittlungen zum Mordfall Roland Krenn überschlagen sich die Ereignisse. Am Donnerstag hatte die Staatsanwaltschaft noch darüber informiert, dass die Gerichtsmedizin nach dem abschließenden Bericht zur Obduktion die Todesursache des 63-Jährigen nicht mehr bestimmen könne. Die im Mai gefundene Leiche Krenns war bereits zu verwest. Am Freitag gab die Polizei dann bekannt, dass noch am Donnerstag eine weitere in dem Fall verdächtige Person festgenommen worden ist. Mehr war von offizieller Seite "aus ermittlungstaktischen Gründen" nicht zu erfahren.

Bei der festgenommenen Person soll es sich um die Freundin jenes 24-jährigen Musikers aus dem Flachgau handeln, der wegen Mordverdachts bereits Ende April inhaftiert wurde. "Der Hintergrund für die Festnahme ist, dass mein Mandant seiner Lebensgefährtin heimlich einen Brief zukommen lassen wollte. Ein Mithäftling sollte ihn dann für ihn aufgeben", erklärt Franz Essl gegenüber dem KURIER. Er ist der Rechtsanwalt des 24-jährigen U-Häftlings.

Der besagte Brief dürfte aber trotzdem in den Händen der Ermittler gelandet sein. Den genauen Inhalt kenne er selbst nicht, sagt Essl. "Es wird sich aber der Verdacht ergeben haben, dass sie Beitragstäterin ist oder sie doch mehr weiß, als sie gegenüber der Polizei gesagt hat." Staatsanwalts-Sprecherin Barbara Fischer wollte die Festnahme der Frau nicht bestätigen.

Der 24-jährige Flachgauer war ins Visier der Ermittler geraten, weil er am 19. Juli 2016 das letzte Telefonat mit Roland Krenn geführt haben soll – das letzte Lebenszeichen des Salzburgers. Kurz nach seiner Inhaftierung gab der Musiker den entscheidenden Hinweis zum Verbleib des abgängigen 63-Jährigen. In einem aufgelassenen Schweinestall in Haigermoos (Bezirk Braunau) wurden im Mai die bereits stark verwesten Überreste Krenns entdeckt. Der Besitzer des Stalls, ein 29-jähriger Gastwirt, befindet sich seither ebenfalls in U-Haft.

Bisher kein Geständnis

Die beiden Verdächtigten beteuerten bisher stets ihre Unschuld. Bei der Staatsanwaltschaft geht man trotz fehlender Geständnisse davon aus, dass die Beweise im Fall Krenn für eine Mordanklage gegen die beiden Männer reichen werden. Durch Handy-Daten und Zeugenaussagen ergebe sich dringender Tatverdacht, sagte Staatsanwaltschafts-Sprecherin Fischer bereits am Donnerstag. So hätten die beiden Verdächtigen in einer einzigen Nacht Mitte Juli 77 SMS hin- und hergeschickt. Die Ermittler vermuten, dass Krenn kurz darauf gestorben ist. Außerdem habe sich der 24-Jährige im Internet erkundigt, wo man Ethylether (kann als Betäubungsmittel verwendet werden, Anm.) beschaffen könne. Beim 29-jährigen Gastwirt soll der Mann nach K.-o.-Tropfen gefragt haben, hieß es von Fischer.