Chronik/Österreich

K.-o.-Tropfen: Die geheime Gefahr

Es sollte ein lustiger Abend mit ihren Freundinnen bei einem Zeltfest im Nordburgenland werden. Laura Z. (Name geändert) hat Spaß, an der Bar lädt ein Bekannter die 19-Jährige und ihre Clique auf ein Getränk ein. „Ich weiß nicht mehr, wie ich nach Hause gekommen bin. Ich hatte einen Filmriss“, erzählt Laura Z. In der Früh wird sie munter, klagt über Übelkeit und Kopfschmerzen. Erinnern kann sie sich an nichts mehr. Laura dürften K.-o.-Tropfen in ihr Getränk gemischt worden sein.

Lauras Schicksal ist kein Einzelfall. Das weiß Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek. „Die Erfahrung zeigt, dass gerade im Sommer bei den Freiluft-Partys und Festivals, die Anzahl der Opfer von K.-o.-Tropfen in die Höhe geht“, sagt Sprecherin Julia Valsky. Daher startete das Frauenministerium eine Informationsoffensive „K.-o.-Tropfen“. Bei den Ö3-Discos sowie beim kommenden Beachvolleyball-Turnier in Klagenfurt machen Flyer und Plakate junge Frauen auf die Gefahr der Tropfen aufmerksam.

Die Dunkelziffer bei solchen Delikten dürfte hoch sein. Denn die Tropfen, die ihre Opfer wehrlos machen, können nur wenige Stunden nach der Einnahme nachgewiesen werden. Diese Zeit lassen die Opfer meist verstreichen, was die Verfolgung der Täter erschwert, weiß Sozialpädagogin Jutta Zagler von der burgenländischen Mädchen-Plattform MonA-Net. „Das Problem mit den K.-o.-Tropfen wird stärker. Im Burgenland gibt es aber nur wenige Anzeigen.“ Da man K.-o.-Tropfen weder sehen, riechen noch schmecken kann, gibt es für Betroffene kaum Möglichkeiten sich zu schützen, so Mario Hejl, Sprecher des Bundeskriminalamtes.

Leicht zu beschaffen

Die Tropfen seien leicht zu beschaffen, weiß Jutta Zagler. „Die Substanzen kann man als Felgenreiniger kaufen, den Mix findet man im Internet.“ Zagler kennt dramatische Fälle. Anna (Name geändert), die bei einem Dorffest mit Freundinnen Bacardi-Cola an der Bar trank, wurde schwindelig. Stunden später wachte sie in einem Feld auf. Vergewaltigt und ausgeraubt. Sie leidet seit dem Vorfall unter Duschzwang.

„Gemeinsam gegen K.-o.-Tropfen“ – so lautete das Motto, unter dem die Bezirkshauptfrau von Eisenstadt-Umgebung, Franziska Auer, zu einem Workshop lud. Die Teilnehmer – darunter Polizei und Sozialarbeiter – haben sich verstärkt mit der Frage beschäftigt, wie eine Sensibilisierung zu dem Thema erfolgen kann. Als Ergebnis wurde vereinbart, dass Sicherheitsreferenten der BH bei Jugendveranstaltungen auf diese Problematik hinweisen. Sie sollen auch die Security vor Ort und Veranstalter auf die Gefahren aufmerksam machen. Darüber hinaus werden bei den Veranstaltungen Flyer aufgelegt.

Auch vonseiten des Bundeskriminalamtes gibt es Tipps, wie man sich vor den K.-o.-Tropfen schützen kann. So sollte man sein Glas niemals unbeobachtet stehen lassen und nur Getränke annehmen, deren Weg man von der Theke an verfolgen kann.

Info

www.mona-net.at

0800 / 222 555 (Kostenlose Frauenhotline gegen Gewalt)