Chronik/Österreich

Rebellischer Polizist ist wieder im Dienst

Hermann Winkler, Leiter des Strafamts bei der Landespolizeidirektion Salzburg, ist am Montag zurück an seinem Arbeitsplatz. "Die Kollegen grüßen mich freundlich und meine Vorgesetzten sind zumindest höflich", erzählt er. Selbstverständlich ist das nicht. Schließlich wurde der 56-Jährige vor zwei Monaten suspendiert, weil er ihnen "nicht achtungsvoll begegnet" sein soll, sich deren Weisungen widersetzt und Akten durch seine Untätigkeit verjähren haben lassen soll.

Sieben Disziplinaranzeigen liegen gegen ihn vor, die entsprechenden Verfahren laufen. Die Suspendierung, die Ende Mai vom Innenministerium verhängt wurde, ist jetzt aber aufgehoben worden. Winkler hatte Beschwerde eingelegt, das Bundesverwaltungsgericht gab ihm recht: Die Suspendierung war nicht gerechtfertigt.

Versetzung

Der rebellische Beamte wurde auf eigenen Wunsch vom Strafamt in die Einsatz-, Grenz- und Fremdenpolizeiliche Abteilung versetzt. "Im Strafamt ist das Klima so vergiftet, dass ich dort nicht arbeiten könnte", sagt Winkler, der ankündigt, weiter mit allen Mitteln für seinen guten Ruf zu kämpfen. Er habe sich nichts zuschulden kommen lassen, die Anzeigen seien "pures Mobbing". Winkler dürfte für seine Vorgesetzten seit längerem ein rotes Tuch sein. Er gibt zu, sich Weisungen widersetzt zu haben – "das war reine Schikane", behauptet er. "Es ist schon ein Armutszeugnis, wenn man einen Beamten nur durch Anzeigen zur Räson bringen will, anstatt das Gespräch mit ihm zu versuchen."

Dem widerspricht der stellvertretende Landespolizeidirektor Burghard Vouk. Es habe sogar mehrere Versuche gegeben, die internen Spannungen auf gütlichem Wege zu lösen. "Leider war das bisher ohne Erfolg", sagt Vouk.

Neben dem Disziplinarverfahren laufen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Amtsmissbrauchs im Zusammenhang mit verjährten Strafen. In seinem Büro habe es Hausdurchsuchungen gegeben. "Gefunden haben sie nichts, was sehr erfreulich ist", sagt Winkler.

Es ist nicht das erste Mal, dass gegen den Salzburger ermittelt wird. 2012 unterstellte man ihm ein Nahverhältnis zur Glücksspielszene. Die Suspendierung wurde im selben Jahr aufgehoben, das Strafverfahren im Jänner 2013 eingestellt.