Chronik/Oberösterreich

FP-Gegner rufen vor Stichwahl zur Demo

Eigentlich müsste es Hermann Wimmer begrüßen, dass die Plattform gegen Rechtsextremismus heute, Samstag, ab 17.30 Uhr, ein Zeichen für ein "weltoffenes Wels" setzt. Denn die Kundgebung ist auch eine Wahlempfehlung für den SPÖ-Kandidaten, der sich in der Bürgermeisterstichwahl am Sonntag mit dem Freiheitlichen Andreas Rabl misst.

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Doch Wimmer distanziert sich: "Ich habe diese Demo nicht bestellt. So etwas ist am Tag vor einer Wahlentscheidung nicht besonders nützlich". Der SPÖ-Vizebürgermeister rechnet mit keiner Mobilisierung für seine Person, obwohl die Veranstalter "#norabl" auf ihre Plakate geschrieben haben. Im Gegenteil: Die Kundgebung könne dazu führen, dass umso mehr Sympathisanten des FPÖ-Kandidaten zu den Urnen gehen, meint Wimmer.

Für Robert Eiter, Gründer der Welser Antifa und Sprecher des oberösterreichischen Netzwerks gegen Rassismus und Rechtsextremismus, ist diese Haltung nicht nachvollziehbar. "Ich finde es eigenartig und traurig, sich von einer Veranstaltung zu distanzieren, an der sich augenscheinlich auch Jugendliche aus der eigenen Partei beteiligen."

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Demo hin oder her, die Vorzeichen für die Bürgermeister-Stichwahl am Sonntag sind für die Welser SPÖ denkbar schlecht: Am 27. September wurden die Sozialdemokraten abgestraft. Sie verloren auf Gemeindeebene fast neun Prozent. Im jahrzehntelang rot-regierten Wels haben nun die Blauen die Nase vorn: Andreas Rabls FPÖ legte um 14 Prozent zu, ist nun unangefochten stärkste Kraft im Gemeinderat.

Blaue Premiere?

Bei der Bürgermeisterwahl fehlten dem FPÖ-Kandidaten nur wenige Stimmen, sonst wäre er schon im ersten Durchgang als neues Stadtoberhaupt festgestanden. Rabl, 42 Jahre alt, und seit Dezember 2013 Vizebürgermeister, holte 47,59 Prozent und verwies SPÖ-Kandidat Wimmer (27,28 Prozent) klar auf den zweiten Platz. Der 62-Jährige, der – wie viele meinen – zu spät aus dem Schatten des scheidenden Bürgermeisters Peter Koits treten durfte, muss mehr als 6000 Stimmen aufholen um einen neuerlichen Triumph der Freiheitlichen zu verhindern – und den ersten blauen Bürgermeister einer Statutarstadt in Oberösterreich.

Dass Andreas Rabl von einem Wahlsieg überzeugt ist, beweist sein Programm für die ersten 100 Tage als Bürgermeister, das er noch vor der Stichwahl vorlegte: Der FPÖ-Kandidat fordert ein eigenes Integrationsressort aufgrund des überdurchschnittlich hohen Migranten-anteils in Wels und beansprucht für sich die Personal- und Finanzagenden. Was bei der SPÖ die Alarmglocken schrillen lässt: Sind diese beiden Schlüsselressorts doch die besten Instrumente, um die einst rote Magistratshochburg blau umzufärben.