Chronik/Oberösterreich

Pensionist verlor durch "Neffentrick" halbe Million Euro

Ein oberösterreichischer Pensionist ist mit dem sogenannten Neffentrick um eine halbe Million Euro betrogen worden. Das Opfer ignorierte alle Warnungen und händigte den Gaunern sein ganzes Erspartes aus. Das Geld ist weg, die Täter auch, teilte die Polizei in einer Presseaussendung am Dienstag mit.

Der Betrug lief wie üblich ab: Ein Anrufer meldete sich im Juli telefonisch bei einem am Vornamen erkenntlich älteren Herren. Er gab sich wortgewandt als alter Bekannter des 70-Jährigen aus und erschlich sich damit sein Vertrauen. Er sei in finanzieller Not und benötige dringend Hilfe. Als er eine Zusage erhielt, erklärte er, er könne nicht persönlich kommen. Er werde einen vertrauenswürdigen Boten schicken. Das Opfer übergab einem Abholer, der innerhalb von zwei Wochen mehrmals ins Haus kam, insgesamt 500.000 Euro.

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Geld bleibt verschwunden

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Der 70-Jährige wurde wiederholt von Bankangestellten gewarnt. Doch die Überzeugungskraft des Anrufers war so groß, dass er alle Warnungen in den Wind schlug. Selbst nach einer Anzeige eines Angehörigen bei der Polizei konnte der Senior nicht davon überzeugt werden, dass er es mit einem Betrüger zu tun hat. Dementsprechend schwierig war auch die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Opfer. Derzeit gibt es keine Spur zu den Tätern. Das Geld bleibt verschwunden. Ähnlich ist es heuer bei einer Linzerin gelaufen, die im Juni um 11.700 Euro erleichtert wurde.

Ansonsten ist die Bekämpfung und die Präventionsarbeit im Bereich des sogenannten Enkel- oder Neffentrickbetruges laut einer Bilanz der Polizei erfolgreich verlaufen: 2011 gab es noch 14 und 2012 elf vollendete derartige Kriminalfälle. 2013 und 2014 konnten durch die Aufklärungsarbeit potenzielle Opfer vor Schaden bewahrt werden. Etliche Versuche im heurigen Jahr scheiterten an der inzwischen gestiegenen Vorsicht der kontaktierten Personen.

Polizei appelliert an Bevölkerung

Die Betrüger reagieren aber offenbar auf hohen Ermittlungsdruck: Für die Geldübergabe wählen sie nun nicht mehr nur die Wohnung ihrer Opfer, sondern auch öffentliche Orte - aus Angst von der Polizei erwischt zu werden. Außerdem konzentrieren sie sich neuerdings nicht mehr ausschließlich auf den städtischen Bereich, sondern auch auf den ländlichen. Der 70-Jährige, den sie um die halbe Million brachten, wohnt in einer kleinen Landgemeinde. Die Exekutive appelliert an die Bevölkerung, sich auch beim geringsten Zweifel an die Polizei zu wenden. Auch eventuelle Zeugen, wie Bankmitarbeiter oder Verwandte des Opfers, werden ersucht im Verdachtsfall Alarm zu schlagen. Ein bereits entstandener Schaden könne dann zumindest noch begrenzt werden. Die Ermittler sichern zu, dass Mitteilungen vertraulich behandelt werden.