Chronik/Oberösterreich

Lockvogel entlarvt Neffentrick-Betrüger

Dank eines Lockvogels ist es Fahndern des Landeskriminalamts OÖ gelungen, einen mutmaßlichen Neffentrick-Betrüger zu überlisten und festzunehmen. Der Verdächtige – ein 19-jähriger Pole – sitzt in der Justizanstalt Linz in U-Haft. Die Suche nach den Hintermännern läuft noch.

Am 13. Oktober waren ein 74-jähriger Pensionist und dessen 75-jährige Lebensgefährtin in Linz-Urfahr von einem angeblichen Neffen angerufen worden. Dieser behauptete, in einer Notlage zu stecken und für einen Wohnungskauf dringend 24.000 Euro zu benötigen. Das betagte Paar hat zwar einen Neffen in Australien, fiel aber nicht auf den Betrüger herein, sondern alarmierte sofort die Polizei. Den Anrufer ließen sie in dem Glauben, keinerlei Argwohn geschöpft zu haben.

Unter Anleitung der Ermittler spielte der 74-jährige Rentner dem Anrufer vor, die gewünschte Summe bei der Bank abzuheben und in bar an jenen Mittelsmann zu übergeben, der von dem "Neffen" als Abholer des Geldes angekündigt wurde.

Im Lauf des Tages erhielt der 74-Jährige mehrmals neue telefonische Anweisungen. Ähnlich einer Schnitzeljagd wurde er durch Linz gelotst. Schließlich musste er das Paket mit den 24.000 Euro einem Taxifahrer übergeben, der es zu dem Mittelsmann bringen sollte. Der Taxler war dafür zufällig ausgewählt worden, er hatte mit dem Betrug nichts zu tun.

Wiederholungstäter

Bei der fingierten Geldübergabe klickten für den Mittelsmann, den 19-jährigen Polen, die Handschellen. Der Zugriff erfolgte im Bereich der Linzer Landstraße.

Der Verdächtigte behauptete, nur ein Tourist zu sein. Wie sich herausstellte, hatte der junge Mann allerdings schon in Deutschland eine einschlägige Haftstrafe abgesessen. Außerdem hatte er ein Wertkarten-Handy mit und trug ein zweites Brillenmodell sowie eine Ersatz-Kappe bei sich, mit deren Hilfe er sein Aussehen ändern konnte. "Er ist eine Woche vor dem Zugriff eingereist, daher könnte es sein, dass er noch an anderen Taten beteiligt war", sagt Rupert Ortner vom Landeskriminalamt.

"Wenn man die Verdächtigen nicht auf frischer Tat erwischt, sind die Ermittlungen schwierig", betont Staatsanwalt-Sprecher Philip Christl. Langwierige und oft erfolglose Rechtshilfeersuchen seien die Folge: "Außerdem ist das Geld dann schon ins Ausland gebracht, und man hat nahezu keine Chance mehr, es jemals wieder zu bekommen."