Chronik/Niederösterreich

Forstleute und Mountainbiker streiten, ob Radeln oder Jagd das Wild mehr stört

Zum Duell der Gutachten wird der laufende Streit um die generelle Öffnung des österreichischen Forstwegenetzes für Mountainbiker. Während der Dachverband der Forstvereine am Freitag mit einem aktuellen Gutachten zu belegen suchte, dass Radfahrer Wild ganz besonders beunruhigen, verweist die Biker-Initiative "Upmove" auf eine Studie, die das anders sieht.

Mobilität

"Durch ihre größere Mobilität im Vergleich zu Wanderern sind Mountainbiker in der Lage, größere Strecken in demselben Zeitraum zurück zu legen. Dadurch ist es ihnen möglich, eine größere Zahl von Wildtieren pro Zeiteinheit zu beunruhigen", heißt es auszugsweise in einer neuen Studie eines Instituts der Uni für Bodenkultur Wien, die der Forstverein am vorstellte.

Das will Dietmar Gruber, Sprecher der Initiative "Upmove" so nicht stehen lassen. Er meint, die Angst der Wildtieren vor Menschen sei ihnen überhaupt erst durch die Bejagung antrainiert worden. Er verweist auf eine Arbeit von Bertram Georgii von der Bayrischen Akademie für Naturschutz. An Wanderer oder Radfahrer, die Strecken regelmäßig nutzen, würden sich Tiere gewöhnen. Das sei in Schutzgebieten Jagd zu erkennen, beispielsweise im schweizerischen Nationalpark. "Dort äsen Rothirsche trotz immenser Besucherströme auch am helllichten Tag auf den offenen alpinen Matten", schreibt Georgii.

Zu leise

Die Boku-Studie sieht aber auch das Problem, dass Biker sich leiser (ohne Geplauder) und schneller fortbewegen als Wanderer, "was ihre Vorhersehbarkeit für Wildtiere erschwert", sie heftiger erschreckt. Zudem fürchten Forstleute, dass eine Waldweg-Öffnung auch weitere Gruppen, wie Reiter, einbinden würde.

"Natürlich sind wir dafür, dass es Schutzgebiete gibt. Aber die in Österreich geltenden Regelungen sind für Radfahrer nicht nachvollziehbar oder irreführend, wenn etwa die Kennzeichnung eines Radweges am selben Steher montiert ist, wie das Fahrverbotsschild", sagt Dietmar Gruber.