Chronik/Niederösterreich

Fast geschenkt bis unerschwinglich

Perchtoldsdorf im Bezirk Mödling und Groß Gerungs im Bezirk Zwettl sind nur 163 Kilometer voneinander entfernt. Trotzdem liegt eine Welt dazwischen. Das zeigen alleine die Grundstückspreise. Muss ein Häuslbauer in der Wiener Umlandgemeinde gut 800 Euro pro Quadratmeter für den teuersten Baugrund in NÖ aufbringen, bekommt er in der Waldviertler Kommune ein Schnäppchen serviert. Um drei Euro pro Quadratmeter ist NÖs billigste Bauparzelle in Groß Gerungs zu haben – Infrastruktur und Dorfidylle inklusive.

Wenn Waldviertler Gemeinden nicht direkt an der Franz-Josefs-Bahn oder einer Hauptverkehrsachse liegen, müssen sie andere Wege finden, um Zuzügler zu gewinnen. Der Grundstückspreis ist eine Möglichkeit. "Schon bisher hatten wir sehr günstige Bauparzellen. Wegen der Immobilienertragssteuer haben wir die Preise nochmals um die Hälfte gesenkt", sagt Karl Eichinger, Vizebürgermeister in Groß Gerungs. Deshalb ist ein 1000 Quadratmeter großer Baugrund am Kreuzberg (Nordhang) um nur drei Euro pro Quadratmeter zu haben. "So müssen die Gemeinde und der Häusl-bauer weniger Steuern bezahlen", erklärt Eichinger. Der Nachteil: Im Gegenzug wird keine Wohnbauförderung gewährt.

Abseits

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Obwohl sich Groß Gerungs abseits hochrangiger Verkehrswege befindet, sind freie Baugründe gefragt. "Dass wir trotzdem wieder ein Einwohnerminus haben, hat mit der Überalterung zu tun", sagt Eichinger. Nicht nur billige Grundstücke, sondern auch mehrere Supermärkte, Post, Bank und Hallenbad im Ort sollen Neubürger anlocken. "Es gibt zwar kein High Life. Aber alles, was man für den Alltag braucht", sagt Peter Hiemetzberger, der im Vorjahr sein Haus in der Pletzensiedlung – er zahlte 16 Euro pro m² – fertig gebaut hat. "Wenn die Kinder in eine HTL gehen wollen, müssen sie sowieso weggehen", sagt er.

Hochpreisig

Perchtoldsdorf am Rande Wiens kann nicht nur mit Geschäften, Sport, Kultur und Schulen, sondern auch mit guter Verkehrsanbindung punkten. Das kostet. Mit mehr als 800 Euro pro Quadratmeter liegt der teuerste NÖ-Baugrund in Perchtoldsdorf."Man protzt hier nicht mit der Größe, sondern glänzt mit Charme", sagt Remax-Makler Roman Peisteiner. Er hat Grundstücke auf einem der letzten Siedlungsentwicklungsgebiete in der Theresienau verkauft. Dort schießen Häuser wie Schwammerl aus dem Boden. "Wir haben nur noch ein Areal im Angebot, im Februar waren es noch 18", sagt Peisteiner. Pro Grundstück hatte er bis zu 20 Anfragen. Bürgermeister Martin Schuster weiß, warum sein Ort beliebt ist: "Bei uns ist man sofort in Wien, aber auch gleich in der Natur." Natürlich hat auch die Gemeinde mit der Beschränkung auf zwei Wohneinheiten pro Bauplatz Grenzen gesetzt, damit das Wachstum nicht ausufert. Drei Prozent waren es in den vergangenen zehn Jahren.

Die Preisentwicklung hat auch Nachteile: "Die Schattenseite ist, dass sich junge Menschen, die sich ansiedeln wollen, hier nichts leisten können", sagt Schuster. Die Gemeinde will nun Startwohnungen schaffen.