Chronik/Niederösterreich

Alt-Abt: "Ungehorsam ist der falsche Weg"

Gregor Henckel-Donnersmarck ist eine der bekanntesten religiösen Persönlichkeiten des Landes. Unter seiner zwölfjährigen Leitung machte das Stift Heiligenkreuz (NÖ) nicht nur mit dem Besuch von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2007 von sich reden, sondern auch mit den Charterfolgen der singenden Mönche. Im KURIER-Interview nimmt der Alt-Abt Stellung zur Diskussion um die Priester-Initiative.

KURIER: 300 Pfarrer mit Helmut Schüller an der Spitze begehren gegen die Kirchenstruktur auf. Was sagen Sie dazu?
Gregor Henckel-Donnersmarck:
Die Kirche ist eine sehr nachgiebige Autorität, aber es geht bei uns nicht um Basisdemokratie. Wir sollten gerade in einer schwierigen Pastoralsituation von den wichtigen Themen wie den Sakramenten und Jesus Christus sprechen.

Sind Reformen nicht dringend notwendig, um die katholische Kirche für die Gläubigen attraktiver zu machen?

Wir müssen doch keine Marktanteile halten oder Wahlen gewinnen wie in der Wirtschaft oder in der Politik. Wir sollten uns auf keinen Fall auf Themen abdrängen lassen, die mit dem Glauben direkt nichts zu tun haben.

Man will unter anderem dem Priestermangel entgegentreten. Es wird zum Ungehorsam aufgerufen.
Wir wollen natürlich mehr zum Priesteramt führen, aber nicht mit Ungehorsam. Heute Abend werden im Stift Heiligenkreuz sieben Männer das Gelübde ablegen. Gehorsam hat auch etwas Befreiendes.

Finden Sie nicht, dass man auch Neues zulassen sollte?
Es gibt eine Entwicklung in der Kirche mit starken, neuen Impulsen. Papst Benedikt ist selbst ein solcher Impuls. Aber es geht um die unveränderliche Botschaft, man sollte sich nicht Modeerscheinungen unterwerfen. Mutter Theresa wurde einmal gefragt, was in der Kirche reformiert werden sollte. Sie deutete auf sich und auf den Frager und antwortete: You and me.

Viele Gläubige wenden sich von der Kirche ab und treten aus. Sollte man da nicht reagieren?
Ich fürchte, dass in Europa viele Menschen den Sensus für den Glauben verloren haben. Ihnen nachzulaufen, einen Standpunkt aufzugeben, nur um sie zu halten, ist aber nicht richtig. Wir haben eine Botschaft, zu der wir stehen müssen. Das ist eine Entwicklung in Europa. Weltweit nimmt die Zahl der Christen und auch jene der Priester auch zu.

Eine Forderung der Priester-Initiative ist die Abschaffung des Zölibats und Predigen durch Frauen und Laien.
Was da vorgeschlagen wird, ist der falsche Weg. Wir hätten mehr Bedarf an Müttern und Vätern, die ihren Kindern die Hände zum Gebet falten. Das Defizit an Glauben wird durch mehr Prediger nicht behoben. Es wäre wichtiger, dass Getaufte und Gefirmte in ihrem Umfeld die Botschaft verkündigen. Dort, wo ein Priester nicht hinkommt. Da gibt es kein Prediktverbot, sondern sogar einen Auftrag. Entscheidend ist doch nicht, ob Pfarrer heiraten oder ob Frau Navratil Priester wird. Es geht um die Fähigkeit des modernen Menschen zu glauben.

Kardinal Schönborn hat Pfarrer Schüller ausgerichtet, er soll sich überlegen, ob er noch zur Kirche gehört.

Ich weiß nicht, was Kardinal Schönborn zu Monsignore Schüller gesagt hat, doch der Kardinal ist sicher kein autokratischer Gewaltmensch. Aber er muss in der notwendigen Klarheit sagen, was geht und was nicht geht.

Soll Schüller gehen?
Ich bin traurig, wenn jemand geht, aber das muss zwischen Kardinal Schönborn und Monsignore Schüller ausgemacht werden. Ich glaube, dass man versuchen wird, Mitbrüder im Amt zu halten. Aber ich glaube auch, dass es eine Situation gibt, wo es notwendig ist, klare Schritte zu setzen. Ob das jetzt der Fall ist, kann ich nicht sagen.