Chronik/Niederösterreich

15:0 für die Polizei in "Bankraub-City"

In keiner Stadt in Österreich wurden - gemessen an der Einwohnerzahl - mehr Raubüberfälle begangen als in Möllersdorf im Bezirk Baden. Fünfzehn Mal wurden Banken und das Postamt seit 2003 von bewaffneten Tätern heimgesucht. Im Match mit den Kriminellen hat die Polizei nun auf 15:0 gestellt. Die Raubgruppe des nö. Landeskriminalamtes konnte den bislang letzten ungeklärten Coup in Möllersdorf klären. Exakt fünf Jahre, nachdem ein Mann mit Warnweste und Bauhelm maskiert, die Mitarbeiter der Sparkasse in einem Tresorraum eingesperrt hatte, wurde der Täter, ein Rumäne, überführt. Es handelt sich um einen gefährlichen Serientäter.

Als die Kriminalisten im vergangenen Herbst zwei Rumänen nach einem vereitelten Banküberfall in Wiener Neustadt in ihrem schmucken Range Rover stoppten und festnahmen, wussten sie noch nicht mit wem sie es zu tun hatten. Ilie C. (44) und Bogdan B. (33) wollten nicht nur die Sparkasse in Wiener Neustadt um viel Geld erleichtern, sondern hatten auch im Mai 2017 in Felixdorf (ebenfalls im Bezirk Wiener Neustadt) zugeschlagen. Sie wurden dafür im Jänner bereits zu sieben und 14 Jahren Haft verurteilt.

Akribische Ermittlungen

Die Ermittler um Chefinspektor Josef Deutsch von der Raubgruppe des LKA erkannten bei den Überfällen aber ein deutliches Muster. "Es handelte sich immer um A-typische Taten, bei denen den Mitarbeitern aufgelauert wurde und sie später auch gefesselt oder eingesperrt wurden", so Deutsch. Dieses Vorgehen erinnerte die Fahnder an den noch letzten ungeklärten Raub in Möllersdorf.

Beim Abgleich der Spuren und weiteren Ermittlungen kam es zu einem eindeutigen Treffer. Mit den Vorwürfen konfrontiert, gestand Ilie C. (44) auch den Überfall im Mai 2014. Damals hatte er einen anderen Komplizen. "Die Schadenssumme liegt im sechsstelligen Eurobereich. Das Geld wurde für Glücksspiel und in Bordellen ausgegeben", berichtet Deutsch.

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Ins Netz gegangen sind den Fahndern aber auch zwei Rumänen (45 und 47 Jahre alt), die am 18. Dezember 2015 und am 23. November 2018 ein Geldinstitut in Altenmarkt an der Triesting im Bezirk Baden überfallen haben sollen. Bei dem Coup im Jahr 2015 sperrten sie mit gezückter Pistole einen Bankangestellten und eine Kundin in den Tresorraum ein.

Im Jänner 2019 konnten die Verdächtigen in Rumänien festgenommen werden, sie wurden bereits nach Österreich ausgeliefert und warten dort auf ihren Prozess.

Psychisches Leid

Der Chef des Landeskriminalamtes Niederösterreich, Omar Haijawi-Pirchner, lobte die "gute Zusammenarbeit auf europäischer Ebene". Er sprach aber auch davon, wie sehr die Opfer unter den Überfällen gelitten haben. "Einer Angestellten wurde die Waffe direkt vor das Gesicht gehalten", berichtet er.

Franz Popp, der stellvertretende Landespolizeidirektor von Niederösterreich, bedankte sich bei den Ermittlern für die "hervorragende Arbeit".

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