Chronik/Burgenland

Wau, was für ein Unterricht

Manuel (Name von der Redaktion geändert) ist traurig. Seine Eltern wollen sich scheiden lassen. Der Bub zieht sich zurück, denkt nach. Plötzlich berührt ihn eine kalte Schnauze. Es ist Stella, die elfjährige Hündin, die den Unterricht in der Volksschule Gattendorf (Bezirk Neusiedl am See) bereichert. Und augenblicklich huscht auch ein Lächeln über das Gesicht von Manuel. Seine Lehrerin Ursula Jurkovich setzt auf das Gespür ihres Golden Retriever-Dackelmischlings und wurde dabei noch nie enttäuscht, wie sie sagt. "Stella hat die besondere Gabe, dass sie spürt, wenn es einem Kind nicht gut geht", erklärt Jurkovich.

"Tiergestützte Intervention" nennt Psychologin Andrea Beetz diese Maßnahmen. Mehr als 100 Pädagogen in Österreich nehmen Hunde als Unterstützung mit in die Schulklasse, vor allem im Grundschulbereich. Der Hund würde sich eben am besten für die tiergestützte Therapie eignen, "weil er flexibel und vorsichtig ist", sagt die Psychologin.

"Dog Day"

Etliche Experten, die sich mit tiergestützter Pädagogik befassen, nahmen am vergangenen Freitag beim ersten "Dog Day" im mittelburgenländischen Neutal teil (siehe Zusatzbericht) teil. Darunter auch Kurt Kotrschal. Der Universitätsprofessor, Verhaltensforscher und Biologe ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der tiergestützten Intervention. Diese empfiehlt er vor allem Schülern der Grundschule. "Kinder sind an einem Zusammenleben mit Tieren interessiert", erklärt Kotrschal. Die Präsenz von Hunden im Klassenzimmer können die soziale Entwicklung fördern. Aber auch die kognitive sowie die körperliche Entwicklung würden forciert.

Kotrschal berichtet von einer Untersuchung in einer Integrationsklasse, in der kein einziges Kind Deutsch als Muttersprache hatte. Nach einem Jahr waren alle Kinder dank der hundegestützten Pädagogik gut integriert. "Alle Kinder hatten Kontakt zueinander."

Als "Allheilmittel" dürfe man den Hund im Klassenzimmer aber nicht betrachten, warnt der Experte. Hat nur ein Kind in der Klasse eine Hundehaarallergie oder leidet unter großer Angst vor den Tieren, könne die hundegestützte Pädagogik nicht durchgeführt werden. "Man kann diese Pädagogik auch nicht verordnen. Den Hund auf Krankenschein wird es nicht geben".

Natürlich müssen die Eltern auch damit einverstanden sein, dass ein Hund im Klassenzimmer istRichtige "Dosis"

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Wichtig sei es auch, dass die richtige "Dosierung" für den Einsatz der Vierbeiner in der Schule gefunden werde. "Den Hund fünf Tage in der Woche in die Klasse mitzunehmen, hat keinen Sinn. Zwei bis drei Mal wöchentlich für ein paar Stunden – das ist genug", sat der Professor. Jeden Freitag begleitet Stella Ursula Jurkovich in Gattendorf ins Klassenzimmer. "Das ist ein zusätzlicher Motivationsfaktor für die Kinder." Der Unterricht mit dem Vierbeiner zeige Erfolge. "Die Schüler sind feinfühliger, ruhiger und respektvoller geworden und ihre Feinmotorik hat sich durch den Umgang mit dem Hund gebessert", sagt die Lehrerin.