Chronik/Burgenland

Unerwartet in die Eiszeit geraten

Eigentlich ist Joachim Kitzwögerer gelernter Steinmetz. Doch seine Nebenbeschäftigung, das gewerbsmäßige Kaufen und Verkaufen von Häusern und Wohnungen, hat den Burgenländer vor etwa vier Jahren auch ins Eisgeschäft gebracht. Mittlerweile führt der umtriebige Unternehmer neun Heiling-Eissalons in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland.

Punkten will der 45-Jährige mit "Qualität, Freundlichkeit und Präsenz". Er selbst steht immer in einem seiner Eissalons und sucht das Gespräch mit den Kunden. "Letztens habe ich einen Diabetiker aufgeklärt, dass wir veganes Eis führen. Das wird mit Stevia statt mit Zucker gesüßt." Die Nachfrage nach veganem Eis werde immer größer und auch die Zahl der ernährungsbewussten Konsumenten steige.

Eis aus Biomilch

Produziert wird das Heiling-Eis im mittelburgenländischen Lockenhaus. Zu den Ingredienzien zählt vor allem die Milch vom Bio-Bauernhof Fuchs in Hochstraß. Die veganen Sorten werden mit Sojamilch aus Oberwart hergestellt. Und auch die Früchte, wie Erdbeeren, Heidelbeeren oder Marillen bezieht der Unternehmer aus der Region.

Färbemittel und Geschmacksverstärker werden nicht verwendet. "Unser Eis ist frei von chemischen Zusätzen, deshalb ist es auch nur zwei Wochen haltbar."

86 "normale" und 17 vegane Eissorten gibt es bei Heiling-Eis abwechselnd zum Schlecken bzw. Löffeln.

"Wir probieren ständig neue Sorten aus." Nach "Omas Apfelstrudel"-Eis und der Sorte "Salzburger Nockerl" will Kitzwögerer nun auch Kernöl-, Karotten- und Gurkeneis" kreieren. Waffeln und Stanitzel werden in einigen der Filialen auch selbst hergestellt. Eine wichtige Hilfe ist dabei die Meinung der Kunden. "Viel besser als Lob ist die Kritik. Für mich ist nichts schlimmer, als stehen zu bleiben."

Früher habe er drei Monate im Jahr in Kroatien verbracht. "Seit vier Jahren war ich keinen Tag auf Urlaub und es gefällt mir" , erklärt der Eisproduzent, der völlig unerwartet in die Branche geriet.

Als in Lockenhaus der Besitzer des Traditions-Cáfes Heiling starb, habe er das Lokal samt Eis-Rezepturen des 1927 gegründeten Betriebes gekauft. Die Wohnungen im ersten Stock seien auch "weg gegangen wie die warmen Semmeln". Was er mit dem Lokal machen sollte, das wusste er nicht so recht.

Sprung ins kalte Wasser

"Ich bin eines Sonntagsnachmittags allein im Lokal bei einem Seidel gesessen. Die Leute sind vor dem geschlossenen Lokal gestanden und haben "Schade gesagt." Einige waren sogar aus Ungarn angereist, um Eis zu kaufen.

Da habe er den Sprung ins kalte Wasser gewagt. "Ich habe alles auf eine Karte gesetzt und sehr viel Geld investiert." Nicht nur das Lokal in Lockenhaus wurde wieder aufgesperrt. Schritt für Schritt wurde expandiert. Standorte in Oberpullendorf, Wien-Meidling, in der Wiener Innenstadt und der Praterstraße kamen dazu. Vor Kurzem wurden Salons in Mattersburg und in Wiener Neustadt eröffnet. Nächste Ziele sind der Naschmarkt und Klagenfurt. Rund 80 bis 90 Mitarbeiter beschäftigt die Heiling-Gruppe mittlerweile.

Vergrößern will Kitzwögerer auch die Produktion an einem neuen Standort. Dort sollen nicht nur Eis, Waffeln und Stanitzel selbst gemacht werden. "Ich will einen großen Obstgarten und einen Proberaum, in dem Schüler selbst Eis machen können." www.heilingeis.at