Chronik/Burgenland

Das Klappern der Mühlen wird leiser

Sie ist älter als die Kirche im Dorf: Im 16. Jahrhundert wurde die Schedl-Mühle in Lockenhaus errichtet. 1960 hat Julius Schedls Vater die Mühle von Esterházy erworben, 1983 hat der Sohn den Betrieb übernommen. Etwa 200 Getreidemühlen hat es in den 1960er Jahren im Burgenland gegeben, doch die Glanzzeiten sind vorbei. „Heute haben wir vier Getreidemühlen im Land, die von ihrer Produktion leben können“, sagt Schedl, der auch Obmann des Landesvereins für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung ist.

Als er im Betrieb angefangen hat, habe er auf Bio-Mehl gesetzt. 20 Tonnen Getreide mahlt er pro Monat. Um das wirtschaftliche Überleben zu sichern, setzt Schedl unter anderem auf das Schälen und Bearbeiten von Dinkel. Zudem lagert er auf Wunsch Getreide ein und bietet spezielle Backmischungen zum Verkauf an. Zu seinen Abnehmern zählen u. a. Bäcker, Gastronomie und Privatkunden. „Ich bin zufrieden, der Betrieb läuft gut.“ Aber dafür müsse er sich ständig neuen Herausforderungen stellen und flexibel sein. Fünf Angestellte hat Schedl, in zwei Jahren geht er in Pension. Wie es weitergeht? „Es wird sich zeigen, ob die jüngste meiner vier Töchter den Betrieb übernimmt.“

20 Mehlsorten

Etwa 20 verschiedene Mehlsorten werden im Burgenland heute hergestellt. Insgesamt werden bis zu 3500 Tonnen Getreide pro Jahr produziert, sagt Landesinnungsmeister Gerald Sagmeister. Er betreibt in vierter Generation mit einem Geschäftspartner die Sagmeister-Mühle samt Shop im südburgenländischen Litzelsdorf und weiß um die Schwierigkeiten der Müller Bescheid. „Man muss vor allem auf Nischenprodukte setzen und ständig in die neueste Technik investieren.“ Das sei vor allem für kleine Betriebe eine große Herausforderung. Auch das Bäckersterben und die Konkurrenz der großen Handelsketten setze den Mühlenbetreibern zu. „In den kommenden fünf Jahren werden nur ein, zwei Mühlen bestehen bleiben, darunter vermutlich jene in Andau im Seewinkel.“ Er selbst habe bis dato keinen Nachfolger gefunden.

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Anderweitige Nutzung

Etliche Mühlen stehen leer oder suchen einen Käufer, andere werden anderweitig genutzt, wie die Landhofmühle in Minihof-Liebau, die zum Hotel umgebaut wurde. Von den einst 12 Mühlen in Rechnitz dreht sich nur mehr das Rad der Taschek-Mühle. Sie wird nun für kulturelle Zwecke genutzt.

Tag der offenen Mühlentüren

Wer Mühlenluft schnuppern will, hat dazu am Freitag Gelegenheit: Da laden Julius Schedl (von 8 Uhr bis 17 Uhr) und Johann Taschek (Beginn: 10 Uhr) zum Tag der offenen Mühlentür.

Bei Julius Schedl können Besucher im Rahmen einer Betriebsbesichtigung beim Schälen, Reinigen oder Mahlen von Getreide mit historischen und modernen Maschinen dabei sein.Dabei gibt es auch Gelegenheit,  Bierbrot und diverse Dinkelprodukte zu verkosten.

In Rechnitz gilt es am Freitag das alte Wassermühlengebäude von 1451 zu erkunden, danach ist eine Besichtigung des 40.000m² großen Mühlgartens geplant. Ab 13 Uhr steht eine Wanderung von rund drei Kilometern durch das Faludital auf dem Programm. Dabei kommen die Teilnehmer an der Simonmühle und der Kenyerimühle vorbei, ehe es durch den Wald in Richtung Rechnitzer Weinberge geht. Den Abschluss bildet das Rechnitzer Kellergassenfest.

 

 

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