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Schwimmteich versus Naturpool

Freie Platzwahl statt überfüllter Liegewiesen und ein Becken ganz für sich allein – vieles spricht für eine Badestelle im eigenen Garten. Sie gewährt Privatsphäre, Ruhe und echte Erholung. Zudem ist Wasser ein hervorragendes Gestaltungselement, das jede Grünzone attraktiver macht. Obendrein kann man der Umwelt Gutes tun: Schwimmteich und Naturpool, wie sich die ökologischen Pendants zum Chlorpool nennen, beinhalten chemiefreies, reizarmes Wasser – und das ist gut für Mensch, Tier und Pflanzen. Obwohl beide ohne Chemie arbeiten, unterscheiden sie sich in einigen Punkten. Frank Timmermann, Gartenarchitekt von Grünbau Jakel und Peter Petrich, Geschäftsführer der Firma Biotop Landschaftsgestaltung, erklären welche Variante für wen geeignet ist.

Funktionsweise

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Der Schwimmteich besteht aus einem Bade- und Regenerationsbereich. Beide Flächen sind etwa gleich groß. "Optisch bilden sie eine zusammenhängende Wasserfläche. Der Badebereich bleibt frei von Pflanzen, ist vom Regenerationsbereich gestalterisch aber nicht getrennt", sagt Frank Timmermann. Wasserpflanzen erzeugen Plankton, das für die natürliche Aufbereitung verantwortlich ist. "Es fördert die Selbstreinigungskraft. Man kann auf Chlor verzichten und ohne Technik oder Pumpen bauen", erklärt Peter Petrich.

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Wer sein blaues Nass nicht so gern mit Tieren und Pflanzen teilt, für den eignet sich der Naturpool: "Viele haben Berührungsängste mit der Natur, wollen aber trotzdem gerne in natürlichem Wasser schwimmen", sagt Petrich. Der Öko-Pool hat zwar auch einen Pflanzbereich, der dient allerdings oft nur zur Zierde. Die Reinigung wird von Filtern übernommen. Die Zonen sind durch eine Mauer oder einen Steg strikt voneinander getrennt. Leitungen und Pumpen tauschen das Wasser in den Bereichen aus. Timmermann: "Beim Pool liegt der Fokus klar auf der Schwimmnutzung. Wer Frösche und Seerosen will, braucht einen Teich."

Vor- und Nachteile

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Damit ein Schwimmteich überzeugend wirkt, braucht er vor allem eines: Platz. Er sollte doppelt so groß wie ein Naturpool sein, um eine vielfältige Bepflanzung zu gewährleisten. Dafür brauchen Biotope kaum Technik, sparen Strom und Wasser, weil es nie ausgewechselt werden muss. Sie bieten außerdem Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere. "Natürliche Habitate für Wassertiere sind aus unserer Landschaft großteils verschwunden. Studien belegen, dass Schwimmteiche das Überleben einer Art sichern können", sagt Petrich. Während Lurche und Libellen willkommen sind, sollten Hunde, Enten oder Fische besser draußen bleiben. Sie würden das Wasser zu stark verunreinigen. Bei Naturpools handelt es sich im Vergleich um nährstoffarme Gewässer. Das schränkt den Lebensraum und die Pflanzenauswahl ein. Angst vor Gelsen muss man aber in keinem Fall haben. Timmermann: "In beiden Varianten sind genug natürliche Feinde vorhanden, die die Larven auf dem Speisezettel stehen haben."

Klares Wasser

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Schwimmteiche beruhen auf rein biologischen Mechanismen. Deshalb schwankt die Wasserklarheit: "Im Frühling ist das Wasser meist trüb", so Timmermann. Der Wechsel zwischen Klarwasser- und Trübwasserphase dauert unterschiedlich lange und hängt von den Niederschlägen, Pollen und der Beschaffenheit des Füllwassers ab. "Da muss man ergebnisoffen sein", fasst er zusammen. Naturpools sind hingegen sehr technisiert. Sie sind beheizbar und können abgedeckt werden. Filteranlagen garantieren ganzjährig klares Wasser.

Gestaltung

Beide Modelle lassen unterschiedliche Formen zu. Allerdings werden bei Schwimmteichen natürliche, runde Formen und bei der technisierteren Variante geometrische Formen bevorzugt. "Der Naturpool eignet sich für eine designbetonte Gestaltung, um das Gewässer der Architektur des Hauses anzupassen," sagt Timmermann. Auch Accessoires wie Gegenstromanlagen, Unterwasserbeleuchtung und -musik sind möglich. Für den Steg sollten nur schieferarme Hölzer wie etwa Rotzeder verwendet werden.

Errichtung

Ein Schwimmteich ist einfacher zu realisieren als ein Pool. Die Bauzeit – vom Aushub bis zum ersten Untertauchen – beträgt zwei bis drei Wochen, beim Naturpool etwa doppelt so lange. Wichtig ist die Planung: Zwei bis vier Wochen sollte die Vorlaufzeit betragen. "Lassen Sie sich die Anlage unbedingt auch zeichnerisch darstellen", so Timmermann. Ideale Bauzeit ist von März bis November.

Pflege und Reinigung

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Beide Anlagen sollten im Frühjahr grundgereinigt werden. Teiche besitzen ausufernde üppige Pflanzenzonen, die schön anzusehen sind, aber auch einigen Pflegeaufwand bereiten. "Im Teich fällt mehr manuelle Arbeit an, als im Naturpool", sagt Petrich. Weil Teiche eine größere Wassertiefe besitzen, stören Sedimente, die sich auf dem Boden absetzen, weniger. Pools hingegen sind nur 1,30 bis 1,50 Meter tief. "Jede Benutzung wirbelt den am Boden liegenden Staub auf", erklärt Timmermann. Damit die Waserklarheit nicht beeinträchtigt wird, kann dieser komfortabel mit einem regelmäßig laufenden Poolroboter, der Boden und Wände reinigt, beseitigt werden.